Drohnenabwehr für das US Marine Corps: Anduril sichert sich Auftrag über rund 600 Millionen Euro
Zehn Jahre Laufzeit, Stützpunkte weltweit, neun unterlegene Mitbewerber: Anduril Industries liefert dem US Marine Corps Drohnenabwehr. Welches System zum Zug kommt, ist offiziell offen – vieles deutet auf den Roadrunner-M.

Ein Vertrag im Volumen von rund 600 Millionen Euro verpflichtet Anduril Industries, Drohnenabwehrtechnologie an das US Marine Corps (USMC) zu liefern; die Drohnenabwehr betrifft die Stützpunkte des Korps.

Das kalifornische Unternehmen stellt über zehn Jahre hinweg (2025 bis 2035) Systeme bereit, die kleine unbemannte Flugsysteme abwehren – nach US-Klassifizierung jene der Gruppen 1 & 2 mit bis zu 24 Kilogramm und einer Flughöhe von bis zu 1.000 Metern. Für sämtliche Stützpunkte des US Marine Corps weltweit umfasst der Vertrag neben Installation, Lieferung und Wartung auch weitere dienstleistungsbezogene Maßnahmen.
Hinter Anduril Industries steht als Gründer Palmer Luckey, früher Gaming-Unternehmer und Start-up-Gründer, den man häufig den „Elon Musk der Verteidigungsindustrie” nennt.
Welches Modell gewählt wurde und in welcher Stückzahl, lässt die offizielle Bekanntgabe offen. Kürzlich veröffentlichte Videoclips legen allerdings nahe, dass es um den von einem Micro-Jet angetriebenen Roadrunner-M gehen könnte – unter Umständen kombiniert mit weiteren Anduril-Produkten wie dem Starrflügler Altius.
Dieses Abfangsystem für kurze Distanzen startet senkrecht aus kleinen Containern. Ist keine Zerstörungsmission nötig, kann es ebenso senkrecht wieder landen und stützt sich dabei auf vier ausklappbare Spreizfüße – ein Anblick, der an die Booster-Rückführung des Space X-Starship erinnert.
Palmer Luckey und Peter Thiel
Palmer Luckey ist gerade einmal 31 Jahre alt und hat sich in der Tech- und Verteidigungsindustrie doch schon einen festen Platz erarbeitet. Zu großem Geld kam er erstmals 2014 mit der Entwicklung von Virtual-Reality-Hardware. Der milliardenschwere Verkauf seines Start-ups Oculus an Facebook bildete dann die Basis für Anduril Industries.
Unterstützt wurde er bei der Gründung von Anduril im Jahr 2017 von Palantir-Gründer Peter Thiel, der ihn nicht nur bestärkte, sondern über seinen Start-up-Fonds auch Geld in das Unternehmen steckte.
Zuvor hatten viele Risikokapitalgeber Luckey nicht ernst genommen oder seine Vision eines Rüstungs-Start-ups zurückgewiesen. Zur liberal geprägten Start-up-Kultur im Silicon Valley passte diese Idee damals überhaupt nicht.
Luckey und Thiel unterscheiden sich jedoch vom typischen Silicon-Valley-Manager:
- Als Kunden haben beide gezielt US-Regierungsbehörden im Blick.
- Beide stehen hinter der republikanischen Partei.
- Berührungsängste mit dem Militär kennen beide nicht.
Wie die Drohnenabwehr an den Standorten aussehen soll
In der Ausschreibung, die im Februar des Vorjahres veröffentlicht wurde, setzte sich das Unternehmen aus Costa Mesa, Kalifornien, gegen neun weitere Bewerber durch, deren Namen nicht genannt wurden.
Beauftragt hat Anduril das MARCORSYSCOM, die Materialabteilung des US Marine Corps in Quantico, Virginia. Geliefert wird ein Netzwerk von Verteidigungsanlagen, mit dem kleine Drohnen und andere Bedrohungen für Personal und Einrichtungen des USMC erkannt, verfolgt, identifiziert und neutralisiert werden sollen.
Nach Angaben von Anduril entfallen rund 80 Prozent der Projektumsetzung auf den Firmensitz in Costa Mesa. Der übrige Teil verteilt sich auf Washington, D.C., sowie auf weitere Standorte des USMC.
Dass es nicht ausschließlich um zerstörende Abwehrsysteme geht, lässt die offizielle Formulierung des Auftrags erkennen: Das US Marine Corps verlangt eine Lösung, mit der sich Bedrohungen physisch ausschalten, aber auch elektronisch stören lassen. Wörtlich heißt es: „Die Kill Chain wird integrierte und vernetzte Sensorknoten umfassen – kombiniert mit der Fähigkeit, das verteidigte Asset sowohl kinetisch als auch nicht-kinetisch zu schützen, abhängig von den lokalen Gesetzen und Richtlinien am jeweiligen Standort.”
Außer Frage steht, dass Anduril mit seinem „Roadrunner” eine Schlüsselrolle in diesem Konzept einnimmt. Das per Micro-Jet angetriebene Abwehrsystem gehört bereits zum Inventar des US-Militärs.
Weitere Aufträge für Anduril
Schon im Oktober 2024 hatte Anduril zusätzlich einen separaten Vertrag mit dem Pentagon erhalten. Er umfasst die Bereitstellung von:
- Drohnenabwehrsystemen,
- der elektronischen Schutzsuite Pulsar,
- sowie des autonomen, KI-gesteuerten Drohnenjägers Roadrunner.

Vorgesehen sein dürften diese Systeme vor allem für die US-Spezialeinheiten (SOCOM).
Im vergangenen Jahr holte Anduril Industries außerdem einen weiteren Großauftrag der US-Luftwaffe. Zusammen mit General Atomics erhielt es den Zuschlag, 1.000 kollaborative (CCA) unbemannte Stealth-Kampfflugzeuge (UCAV) zu entwickeln und zu liefern – Anduril mit der Fury (YFQ-44A), ex aequo mit General Atomics (YFQ-42A). Heuer sollen beide sogenannten „Flügelmänner” zum ersten Mal fliegen.
Fotocredits
© Anduril · © Georg MaderWeiterlesen

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