Drohnenabwehr am Fahrzeug: Mehler Protection zeigt Nahbereich‑Schutzsystem SCILT auf der Enforce Tac 2026
Angriffe aus kurzer Distanz und flachen Winkeln sind der Anlass: Mit SCILT will Mehler Protection die Drohnenabwehr direkt auf Fahrzeuge bringen. Die erste Version soll ab Sommer 2026 verfügbar sein, mehr Automatisierung ist geplant.

Ein neu entwickeltes Nahbereich‑Schutzsystem zur Drohnenabwehr hat Mehler Protection auf der Enforce Tac 2026 erstmals vorgestellt. SCILT soll Fahrzeuge schützen, die aus kurzer Distanz und aus flachen Winkeln angegriffen werden.
Als letzte Schutzschicht für Fahrzeuge gedacht, füllt SCILT die Lücke zwischen passivem Fahrzeugschutz und großflächigen mobilen Luftverteidigungssystemen. Bekämpft werden sollen kleine Drohnen in sehr naher Entfernung, also auf etwa 25 Meter Distanz – darunter Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View), Kamikaze‑Drohnen und Lenkwaffen. Neutralisieren lassen sollen sich im unmittelbaren Gefahrenbereich sowohl einzelne Drohnen als auch mehrere Bedrohungen, die gleichzeitig auftreten.
Aufbau und Funktionen
Gedacht ist das System für den Selbstschutz; installieren lässt es sich auf allen Plattformen, vom Allrad-Fahrzeug bis zum Panzer. Direkt am Fahrzeug bündelt es Sensoren, Effektormodule und eine Betriebslogik. So wird die Verteidigung gegen unbemannte Luftfahrzeugsysteme (UAS) möglich, die frontal, seitlich oder aus niedrigen Winkeln anfliegen. Zur Unterstützung von Erkennung und Entscheidungsfindung des Bedieners können die Sensorkits elektro‑optische und weitere Sensoren zur Nahbereich‑Überwachung umfassen.
Aus Tag- und Nachtsicht sowie Radarbildern entsteht auf etwa 100 Meter Distanz ein Lagebild. Weil die Effektorlösungen kostengünstig sind, lässt sich der Einsatz über unterschiedliche Missionsprofile skalieren.
Zu den weiteren wesentlichen Merkmalen gehört die sektorbasierte Konfiguration: Je nach Formation und Bewegung können einzelne Richtungen zu- oder abgeschaltet werden. Hinzu kommen drei Alarmstufen – Erkennungs-, Annäherungs- und Auslösealarm. In der ersten Version setzt SCILT bewusst auf eine „Man‑in‑the‑Loop”-Architektur. Im Gespräch auf der Enforce Tac 2026 kündigte Mehler Protection aber auch an, die Automatisierung auszubauen, sobald Technologie, Verfahren und Genehmigungsprozesse das erlauben.
Munition und Integration der Drohnenabwehr
Verschossen wird aus den Effektormodulen marktverfügbare Standardmunition im Kaliber von Schrotpatronen. Die Bandbreite reicht von Gummigeschossen über Hartkern- und Wolframkarbid‑Fragment- bis zu panzerbrechenden Varianten. Mit diesem Spektrum lassen sich je nach Szenario kontrollierte Gefahrenzonen und skalierbare Wirkungen umsetzen; die kostengünstigen Effektorlösungen unterstützen zugleich den Einsatz gegen einzelne wie gegen mehrere gleichzeitige Drohnen. Angenommen wird eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent.




Gesteuert wird SCILT über den Datenbus des Fahrzeugs, die Integration in bestehende Fahrzeugarchitekturen ist möglich. Fehlen solche Schnittstellen, arbeitet das System als eigenständiges Paket mit einer eigenen Kette für Nahbereichs‑Überwachung und Steuerung. Die Fernsteuerungseinheiten lassen sich an mehreren Stellen im Fahrzeug anbringen.
Hervorzuheben ist der dezentrale Aufbau sämtlicher Module: Werden einzelne Elemente beschädigt, bleibt das System dennoch einsatzbereit.
Verfügbarkeit ab Sommer 2026
Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet Mehler Protection an SCILT. In 48 Testkampagnen untersuchte das Unternehmen unter anderem Außen- und Zielballistik, Temperaturverhalten, Auslösesicherheit und Fragmentdichte, um die optimale wirksame Einsatzentfernung zu ermitteln.
Ab Sommer 2026 soll die erste Version als Effektorpaket samt Sensorpaketen und Bedieneinheiten erhältlich sein. Integrieren lässt sie sich in unterschiedliche Fahrzeugkonfigurationen.
Fotocredits
© Mehler · © Militär Aktuell/BendlWeiterlesen

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