Drohnenabwehr für Städte und KRITIS: Rheinmetall und Telekom planen gemeinsamen Schutzschild
Effektoren und Sensorik von Rheinmetall, Netze, Cloud und Datenanalyse der Telekom: Vor der Afcea in Bonn haben sich beide Konzerne auf eine Drohnenabwehr gegen Drohnen und Sabotage verständigt. Details sollen später folgen.

Einen Abwehrschirm gegen Drohnen und Sabotage wollen Rheinmetall und die Telekom zusammen entwickeln – eine gemeinsame Drohnenabwehr, die Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland schützen soll. Verständigt haben sich die beiden Unternehmen darauf vor der anstehenden Fachausstellung für Sicherheitstechnik Afcea in Bonn.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage gewinnt der Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) an Bedeutung, denn hybride Bedrohungen durch Sabotage oder Drohnenflüge nehmen stetig zu. Vor diesem Hintergrund legen die Unternehmen ihre Kompetenzen zusammen.
Entstehen sollen Fähigkeiten und Technologien, die KRITIS-Standorte gegen ganz unterschiedliche Angriffsarten wappnen – ein sogenannter Multi-Threat-Protection-Ansatz. Dazu zählen Technologien für die Cybersicherheit ebenso wie der physische Schutz, etwa von Liegenschaften, der auch als Perimeter-Sicherheit bezeichnet wird. Einzelheiten der Zusammenarbeit wollen die Partner erst später nennen.
Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.— Armin Papperger, Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG
Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Die Telekom übernimmt hier Verantwortung: Mit unserer Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringen wir Drohnenabwehr auf ein neues Level. Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.— Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG
Drohnenabwehr im Praxistest: Telekom bei der Fußball-EM
Seit 2017 tritt die Telekom bei der Drohnensicherheit als Systempartner von Behörden und Unternehmen auf. Kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents im In- und Ausland hat der Konzern bereits gegen Drohnen abgesichert. So spürte die Telekom etwa bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 im Auftrag der Polizei illegale Drohnenflüge erfolgreich und zuverlässig auf.
Technisch sind Detektion und Abwehr von Drohnen anspruchsvoll, weil sich je nach Ort und Gelände unterschiedliche Sensoren eignen. Seit 2017 hat der Konzern deshalb in Deutschland in Kundenprojekten und Feldtests – an internationalen wie an kleinen Regional-Flughäfen wie Tannheim in Baden-Württemberg – Sensoren verschiedener internationaler Hersteller getestet und in sein Portfolio übernommen.
Laufend baut die Telekom ihre technischen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr und ihren Sensoren-Mix aus. In Kundenprojekten setzt sie heute Video-, Audio-, Hochfrequenz-(HF-) oder Remote-ID-Sensoren sowie Drohnenradar ein.
RF-Detektion hat sich in Kundenprojekten bewährt
Die meisten Drohnen auf dem Markt werden von einem Piloten in Sichtweite über eine Funk-Fernsteuerung gelenkt. Fernsteuerung und Drohne tauschen sich dabei auf einer Funk-Frequenz aus, auf Englisch Radio Frequency (RF). RF-Sensoren können diese Funksignale beider Geräte – und damit deren Position – ermitteln.
In der Drohnenerkennung zählt RF zu den sehr verbreiteten Methoden: Mehr als 90% aller Drohnen im unteren Luftraum machen RF-Sensoren derzeit sichtbar. Die RF-Sensoren der Telekom arbeiten passiv, ein aktives Suchsignal senden sie nicht aus. Weil sie andere sensible Mobilfunktechnik beim Funken nicht stören, lassen sie sich an Funkmasten montieren. Nach den Erfahrungen der Telekom mit ihren Kunden haben sich hoch an Funkmasten angebrachte RF-Sensoren gerade in dicht bebauten Stadtgebieten bewährt.
Rheinmetall: Flugabwehr und eigene Drohnen
Bei der Flugabwehr, auch im Nah- und Nächstbereich, gehört Rheinmetall zu den weltweit führenden Systemhäusern. Effektoren des Technologiekonzerns aus Düsseldorf sind derzeit in der Ukraine ebenso im Einsatz wie im Nahen- und Mittleren Osten.
Darüber hinaus ist Rheinmetall selbst auf autonome Systeme in allen Domänen spezialisiert – an Land, auf dem Wasser und in der Luft, darunter Drohnen und luftgestützte Aufklärungssysteme. Ferner entwickelt der Konzern unter anderem Technologien für Sensorik und Datenverarbeitung, die zivil wie auch im sicherheitsrelevanten Bereich genutzt werden.
Für den Hamburger Hafen haben Rheinmetall, die Polizei Hamburg und die Hamburg Port Authority (HPA) im Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft geschlossen, um Konzepte für Drohnendetektion und -abwehr weiterzuentwickeln. Schwerpunkt ist die konzeptionelle Entwicklung zukunftsweisender Technologien, die maritime, zivile und kritische Infrastruktur schützen sollen.
Technisch betrachtet ist der Hamburger Hafen ein besonders schwieriges Umfeld: Verschiedene Funkquellen, maritime Bedingungen und eine dichte Infrastruktur verlangen Detektionssystemen viel ab. Rheinmetall bringt als führender Industriepartner der Allianz seine Expertise ein, um passgenaue Lösungen für komplexe Bedrohungsszenarien auszuarbeiten; die Kooperation ist dabei Teil einer überregionalen Sicherheitsstrategie.
Steuerung per Mobilfunk nimmt zu
Vor neue Aufgaben stellen Drohnen, die über Mobilfunknetze gelenkt werden. Zwar steuert die Masse der Piloten ihre Drohnen per Funkfrequenz (Radio Frequenzy/RF) und Fernbedienung, doch immer mehr nutzen dafür den Mobilfunk. Die Einsatzrealität im In- und Ausland belegt, dass handelsübliche wie selbstgebaute Drohnen zunehmend über Mobilfunknetze gesteuert werden. Wie man solche Drohnen aufspürt, untersucht die Telekom zusammen mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (Uni-Bw).
Das Mobilfunknetz als Riesen-Radar
Künftig soll das Mobilfunknetz dabei selbst zum Sensor und Riesen-Radar werden: Es erfasst Veränderungen und Auffälligkeiten im Datenverkehr, die auf Steuerung oder Kommunikation von Drohnen schließen lassen, und macht Drohnen so etwa in temporären Flugbeschränkungsgebieten für Einsatzkräfte sichtbar. Grundlage ist das 5G-Standalone-Hochleistungsnetzwerk, das die Telekom auf dem Campus der Uni-Bw installiert hat und das auf Technik von Ericsson beruht.
Verbotene Drohnenflüge als schwerer Eingriff in den Flugverkehr
In Deutschland ist die Drohnensteuerung per Mobilfunk bislang kaum verbreitet. Gesetzlich müssen Piloten ihre Drohne stets im Blick behalten (line of sight). Wer sie außerhalb der Sichtweite lenkt, verfolgt oft kommerzielle Zwecke, etwa das Abfliegen beschädigter Stromtrassen oder Pipelines. Solche Flüge müssen bei den Behörden beantragt werden; wer ohne Antrag dennoch per Mobilfunk steuert, macht sich strafbar.
Grundsätzlich sind Drohnenflüge in Sperrgebieten kein Kavaliersdelikt wie zu schnelles Fahren, sondern ein gefährlicher Eingriff in den Flugverkehr. Trotz wiederholter Warnungen der Polizei fliegen viele arglos über den Piloten-Horizont hinaus und riskieren damit unerwartet harte Strafen. In großem Umfang haben Systeme der Telekom im Kundenauftrag bereits verbotene Drohnenflüge punktgenau geortet, sodass Einsatzkräfte die Piloten rasch ausfindig machen konnten.
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