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Unmanned Systems / Aerial Drones

Geran-Drohnen mit Jetantrieb: Russland setzt gegen die Ukraine auf schnellere Geran-4 und Geran-5

Bis zu 600 km/h, bis zu 90 Kilogramm Sprengstoff, Videobilder teils per Satellit: Russland stellt die Produktion seiner Geran-Drohnen auf die neuen Typen 4 und 5 um. Die Ukraine antwortet mit schnelleren Abfangdrohnen.

Russia is launching attacks with new jet kamikaze drones
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Mit propellergetriebenen Geran-2-Langstreckenangriffsdrohnen, die auf eine iranische Lizenz zurückgehen, greift Russland die Ukraine zuletzt deutlich seltener an. Kaum noch in Erscheinung tritt auch deren jetgetriebene Variante Geran-3. Offenbar treibt Russland stattdessen die Produktion neuer Geran-Drohnen voran: der Typen Geran-4 und Geran-5, die schneller und damit schwerer abzufangen sind.

Einen bedeutenden Wendepunkt beim Einsatz von Langstreckenangriffswaffen gegen die Ukraine markiert die Umstellung der russischen Geran-Produktion auf die Modelle 4 und 5. Technisch gelten die neuen Drohnen als deutlich fortschrittlicher als ihre Vorgänger; russische Luftangriffe könnten durch sie wirksamer werden. Bei der Umstellung geht es damit nicht nur um technische Weiterentwicklung – sie hat auch strategische und operative Folgen für den weiteren Verlauf des Krieges.

Schneller, weiter, wendiger

Für die Geran-4 werden Reisegeschwindigkeiten von 300 bis 350 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 500 km/h genannt. Noch einmal deutlich schneller ist Berichten zufolge die Geran-5 mit bis zu 600 km/h – sie wäre damit die schnellste Geran-Drohne und rückte in die Kategorie eines kleinen Marschflugkörpers. Gegenüber der früheren Geran-2 mit Kolbenmotor liegen diese Werte etwa drei- bis viermal höher, ebenso gegenüber der Geran-3. Letztere lässt sich rückblickend als Übergangsmodell betrachten: mit Jetmotor, aber ohne daran angepasste Aerodynamik.

Dank der höheren Geschwindigkeit können die neuen Drohnen ukrainischen Abfangdrohnen und Maßnahmen der Luftverteidigung leichter entgehen. Bei aktiven Ausweichmanövern soll die Geran-4 auf eine Rollrate von 35 bis 40 Grad pro Sekunde kommen – für die Abfangdrohnen der Ukraine ist sie damit schwer zu treffen. Hohes Tempo und Wendigkeit könnten die Geran-5 noch effektiver machen; erreichbar wären für sie auch Ziele weit im Hinterland der Ukraine.

Die Geran-3, erkennbar an der geraden Flügelvorderkante, war mir 280km/h für geschickte Abfangdrohnen-Piloten noch machbar.
Die Geran-3, erkennbar an der geraden Flügelvorderkante, war mir 280 km/h für geschickte Abfangdrohnen-Piloten noch machbar. · © Archiv

Offenbar trägt die Geran-4 eine Nutzlast von 50 Kilogramm, konfiguriert entweder als Fragmentierungs- oder als thermobarischer Sprengkopf. Noch größer ist die Nutzlastkapazität der Geran-5: Bis zu 90 Kilogramm Sprengstoff soll sie transportieren können.

Chinesische Triebwerke, überarbeitete Aerodynamik

Zwei Typen chinesischer Turbostrahltriebwerke kommen in der Geran-4 offenbar zum Einsatz: das Telefly LX-WP-160 mit 160 Kilogramm-Kraft Schub und das stärkere Telefly TF-TJ2000A mit 200 Kilogramm-Kraft Schub. Letzteres soll auch die Geran-5 antreiben. Auf diese Triebwerke gehen, wie oben beschrieben, die höheren Geschwindigkeiten und die bessere Manövrierbarkeit zurück.

Die Geran-4 hat gegenüber der Variante 3 an Reichweite und Geschwindigkeit zugelegt.
Die Geran-4 hat gegenüber der Variante 3 an Reichweite und Geschwindigkeit zugelegt. · © Archiv

Als Ablöse der Geran-3 beseitigt die Geran-4 deren aerodynamische Probleme. Dank des neu gestalteten Rumpfs mit verbesserter und verstärkter Struktur sind nun jene höheren Geschwindigkeiten möglich, die ein Jetmotor grundsätzlich erlaubt. Um den Luftwiderstand zu senken, sind die Flügel fest in den Rumpf integriert und es gibt weniger technische Luken. Bis auf 6.000 Meter soll die Geran-5 steigen können. Die Drohne bewegt sich damit außerhalb der Reichweite vieler einfacher bodengestützter Abwehrmittel – womöglich muss die ukrainische Luftverteidigung dann teurere Raketen wie IRIS-T SLS/SLM oder AMRAAM mit dem NASAMS-Flugabwehrsystem einsetzen.

Wo die Geran-Drohnen gebaut werden

Verteilt wurde die Fertigung der Geran-4- und Geran-5-Drohnen offenbar auf mehrere Standorte in Russland – darunter die Sonderwirtschaftszone Alabuga und die sogenannten „schwarzen Funken” der Shahed-Produktion. Mit der Wahl dieser Standorte soll die Produktion dezentralisiert und die Versorgung der russischen Streitkräfte sichergestellt werden. Satellitenbilder zeigen, dass in Alabuga weitere Produktionshallen errichtet werden. Geschützt wird das Industriegebiet durch mehrere Flugabwehrstellungen, wie etwa hier und hier.

Auf bis zu 3.000 Drohnen pro Monat will Russland die Fertigung der neuen Geran-Modelle offenbar hochfahren. Diese massive Steigerung soll einen Einsatz in großer Zahl ermöglichen und so die ukrainische Luftverteidigung überlasten. Den Angaben zufolge wird ohne Unterbrechung produziert – so sollen der Bedarf gedeckt und die strategische Initiative gehalten werden. Zum Vergleich: In Spitzenzeiten lag die Produktionsrate der Geran-2 offenbar bei mehr als 10.000 Stück pro Monat.

Die Geran-Varianten 3, 4 und 5 werden sämtlich mit Mikroturbinen aus chinesischer Produktion angetrieben. Die Geran-5 zeigt bereits die klassische Form eines Marschflugkörpers.
Die Geran-Varianten 3, 4 und 5 werden sämtlich mit Mikroturbinen aus chinesischer Produktion angetrieben. Die Geran-5 zeigt bereits die klassische Form eines Marschflugkörpers. Die Gefechtsköpfe werden mit 50 oder 90 Kilogramm angegeben. · © Archiv

Auch bewegliche Ziele im Visier

Im Visier der neuen Drohnen stehen nicht mehr nur feste Ziele wie Infrastruktur oder Militärstützpunkte. Auch Bewegliches lässt sich angreifen: Bootdrohnen und Schiffe, Truppenkonvois, Flugabwehrstellungen sowie Artillerie. Scharfe Videobilder liefert die als „Seeker” (Sucher) bezeichnete Variante über eine elektrooptische Kamera. Ukrainische Analysten verweisen auf die Rasswet-Satelliten, die Russland bislang ins All gebracht hat: Diese bieten aktuell bis zu zwei tägliche Zeitfenster, in denen sich Bilder über große Distanzen übertragen und Drohnen fernsteuern ließen.

In Videos aus russischen Quellen ist zu sehen, wie die Drohnen auf markierte bewegliche Ziele zufliegen. Für die Videodaten wird Mesh-Funk genutzt oder – wie oben dargestellt – bereits das Satelliteninternet Russlands. Zu den zuletzt getroffenen Zielen gehören mehrere Schiffe im Schwarzen Meer sowie:

  • 2. August: Logistikkomplex „Terminal Rosetka” nahe Kiew
  • 4. August: Eisenbahninfrastruktur des Bahnhofs „Trostjanez-Smorodyne”, Oblast Sumy
  • 8. August: Hallen von „Kromberg & Schubert Ukraine” nahe Schytomyr
  • 11. August: Einkaufszentrum „Epicentr”, Saporischschja

Die Ukraine passt Technik und Taktik an

Auf die neuen Drohnenmodelle hat die Ukraine mit angepassten Techniken und Taktiken reagiert. Schon seit Längerem entwickelt und testet sie Abfangdrohnen, die höher steigen und erheblich schneller fliegen können.

Fotocredits

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