Unbemannte Kampfflugzeuge für die RAAF: Australien beschafft MQ-28A Ghost Bat bei Boeing
Rund 860 Millionen Euro fließen an Boeing Defence Australia: Mit der Ghost Bat setzt Australien auf unbemannte Kampfflugzeuge im Verbund mit F-35 und Co. Analysten erwarten Impulse für die heimische Industrie – und womöglich Interesse der USA.

Weil konkurrierende Regionalmächte ihr Militär rasant modernisieren und die Spannungen mit China zunehmen, muss Australien seine Streitkräfte umfassend und domänenübergreifend (Multi-Domain) erneuern. In diesem Zusammenhang setzt das Land auf unbemannte Kampfflugzeuge: Den Auftrag für die MQ-28A Ghost Bat erhielt nun Boeing Defence Australia. Die Beschaffung hat ein Volumen von rund 860 Millionen Euro; mit ihr soll die Royal Australian Air Force (RAAF) ihre Luftkampffähigkeiten entscheidend ausbauen.
Rund 5,2 Milliarden Euro will Australien zwischen 2025 und 2035 für die Beschaffung unterschiedlichster Typen unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) ausgeben. Das geht aus dem Bericht „The Global Military Unmanned Aerial Vehicles (UAV) Market Forecast 2025–2035” des Analyseunternehmens Global Data hervor. Etwa 38 Prozent davon sind für unbemannte Kampfflugzeuge (UCAVs) vorgesehen – ein deutliches Indiz dafür, welche wachsende Rolle autonome Systeme in der australischen Verteidigungsplanung spielen.
Ghost Bat: Vom Begleitflugzeug zum autonomen Waffenträger
Zuletzt hat die Ghost Bat erfolgreich ein Luftziel mit einer AIM-120-AMRAAM-Luft-Luft-Rakete bekämpft – ein weiterer Entwicklungsschritt auf dem Weg zum autonomen Mehrzwecksystem, das auch letal wirken kann. Eingebettet in das Konzept des bemannt-unbemannten Teamings (MUM-T, Manned-Unmanned Teaming), vermag die schwer aufklärbare MQ-28A Bedrohungen selbstständig zu identifizieren und zu bekämpfen; die Grundlage dafür liefert künstliche Intelligenz (KI) an Bord. Damit rückt die Ghost Bat ins Zentrum künftiger RAAF-Luftoperationen, vor allem in hochbedrohten Einsatzräumen.
Tushar Mangure, Aerospace-&-Defense-Analyst bei Global Data, ordnet das so ein: „Die Integration dieser UAVs in gemischten Formationen mit bemannten Plattformen wie F-35, F/A-18 oder E-7 Wedgetail verleiht der RAAF eine Form der ,distributed lethality’. Die Besatzungen der bemannten Führungsplattformen können die Ghost Bat einsetzen, um Missionen durchzuführen und gleichzeitig das Risiko für menschliche Piloten im umkämpften Luftraum zu reduzieren.”
Hohe operationelle Flexibilität ergibt sich außerdem aus dem modularen Missionskonzept der MQ-28A. Je nach Auftrag kann man das System für den Luftkampf, für die elektronische Kampfführung oder für Aufgaben der Aufklärung und Überwachung (ISR; Intelligence, Surveillance, Reconnaissance) konfigurieren.
Unbemannte Kampfflugzeuge als Hebel für die heimische Industrie
Jenseits der militärischen Aspekte gilt das Ghost-Bat-Programm als Schlüsselprojekt, wenn es um eine souveräne australische Rüstungsindustrie geht. Global Data zufolge sollen etwa 70 Prozent der Gesamtprogrammkosten australischen Unternehmen zugutekommen, und zwar für Technologieentwicklung, Produktion und den Aufbau belastbarer nationaler Lieferketten. Australien will so weniger von ausländischen Zulieferern abhängig sein und auf lange Sicht eine eigenständige industrielle Basis für die Verteidigung schaffen.
Die USA als möglicher Abnehmer
Auf die strategische Dimension der Zusammenarbeit zwischen Australien und den USA weist Mangure ebenfalls hin: „Seit der strategischen Neuausrichtung der USA auf den Indopazifik erhöhen Washington und seine Verbündeten den Druck, Verteidigungsausgaben zu steigern und moderne Fähigkeiten zu beschaffen. Mit der Vertiefung der bilateralen Kooperation ist davon auszugehen, dass auch die US-Streitkräfte die MQ-28A Ghost Bat in ihre Strukturen übernehmen.”
Für Australien würden sich dadurch erhebliche Exportchancen ergeben, die heimische Verteidigungsindustrie bekäme einen zusätzlichen Wachstumsschub.
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