Drohnenabwehr: Warum elektronische Systeme trotz Glasfaserdrohnen unverzichtbar bleiben
Glasfasergesteuerte Drohnen machten elektronische Abwehr überflüssig – so lautet ein verbreitetes Argument. Stephan Kraschansky von Aaronia Austria hält dagegen und erklärt, welche Rolle elektronische Kampfführung in der Drohnenabwehr spielt.

Dass elektronische Drohnenabwehr überholt sei, hält Stephan Kraschansky, Geschäftsführer von Aaronia Austria, für ein gängiges Vorurteil – und widerspricht. Unbemannte Systeme entwickeln sich rasant weiter und werden zu einer wachsenden Bedrohung, an den Fronten in der Ukraine ebenso wie für sicherheitskritische Infrastrukturen in Europa. Vor diesem Hintergrund legt er dar, weshalb elektronische Kampfführung (EloKa) heute wichtiger ist als je zuvor.
Ob es elektronische Abwehr überhaupt noch braucht, wirkt auf den ersten Blick als berechtigte Frage. Drohnen begegnen einem heute überall, auf dem Kriegsschauplatz ebenso wie bei kriminellen Einsätzen. In der Ukraine prägen unbemannte Systeme seit Langem den Kampfalltag – vom billigen Multikopter aus dem Handel bis zum hoch entwickelten Modell. Sie entscheiden über Leben und Tod: Sie klären präzise auf, markieren Ziele und werfen Sprengsätze ab, manche sind gleich als fliegende Bomben konstruiert. Ständige Begleiter sind Drohnen auch im Nahen Osten. Reguläre Streitkräfte setzen sie zur Aufklärung ein, Terrorgruppen dagegen nutzen improvisierte Systeme, um die Luftabwehr zu überlasten oder Soldaten und Zivilisten gezielt anzugreifen.
Ein Problem sind Drohnen aber nicht nur auf dem Schlachtfeld. Auch hierzulande sind sie längst in der Kriminalität angekommen: Schmuggler bringen mit ihnen Drogen, Handys oder Waffen über Grenzen und in Gefängnisse. Terroristen testen Drohnen, um Sprengsätze über Menschenmengen abzuwerfen oder kritische Infrastruktur anzugreifen. Wer diese Realität vor Augen hat, dem erscheint es fast naiv, elektronische Abwehrtechnik in Frage zu stellen. Trotzdem taucht immer wieder das Argument auf, elektronische Drohnenabwehr habe ausgedient, weil moderne Systeme zunehmend per Glasfaserkabel gelenkt würden. Das klingt plausibel, greift aber zu kurz und übersieht, welche umfassendere Bedeutung die elektronische Kampfführung hat.
„man hört immer wieder die Behauptung, elektronische Drohnenabwehr sei überholt, weil moderne Systeme zunehmend über Glasfaserkabel gesteuert würden. Klingt plausibel, ist aber verkürzt – und blendet die umfassendere Bedeutung der elektronischen Kampfführung aus.“
Stephan Kraschansky
Mehr als Signale stören: was EloKa umfasst
Mit dem Stören von Signalen ist es bei der EloKa längst nicht getan: Sie schließt Aufklärung, Analyse und Abwehr mit ein. Auf dem modernen Gefechtsfeld bildet sie die unsichtbare Ebene, denn jeder Funkspruch, jedes Radarsignal und jede Datenübertragung hinterlässt eine eigene Signatur. Wer das elektromagnetische Spektrum dominiert, erkennt den Gegner, ohne selbst entdeckt zu werden – oder nimmt ihm im entscheidenden Augenblick die Sicht.
Im Drohnenkrieg kommt es genau darauf an. Ohne Sensorik kommt keine Drohne aus. Auch eine per Glasfaserkabel gelenkte – etwa bei bestimmten Systemen mit Kabeltrommel – muss zuerst einmal erkannt werden. Dafür sorgt neben dem Sensor für Hochfrequenz (HF) fast immer ein Radar. Radare arbeiten allerdings ebenfalls im elektromagnetischen Spektrum und lassen sich ihrerseits aufklären, stören oder täuschen. Der elektromagnetische Kampf gleicht damit einem permanenten Katz-und-Maus-Spiel.
Weiterentwicklung bei der Funksteuerung
Gelenkt wird der Großteil der Drohnen weiterhin per Funk, und diese Technik steht nicht still. Moderne Systeme mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) nutzen längst nicht mehr bloß 2,4 oder 5,8 GHz, sondern Frequenzen bis 8 GHz. Überwachung und Störung werden dadurch schwieriger, die elektronische Abwehr muss sich laufend neuen Aufgaben stellen. Ohne spezialisierte Sensoren und flexible Störsysteme stünde man dieser Entwicklung schutzlos gegenüber.
Glasfaser: Sonderfall mit deutlichen Grenzen

Dass Glasfaser die Funksteuerung verdrängt, ist ein Mythos. Es gibt solche Systeme zwar, sie bringen aber vier klare Nachteile mit sich:
- Begrenzte Reichweite: Das Kabel engt den Einsatz deutlich ein, jenseits von 20 Kilometern wird es schwierig.
- Hohe Verletzlichkeit: Gelände, Hindernisse oder der Gegner können dazu führen, dass sich Kabel verhaken, beschädigt oder durchtrennt werden.
- One-Time-Use: Nach einem Einsatz sind viele Kabel nicht mehr zu gebrauchen oder bleiben schlicht liegen.
- Aufklärbar: Wer dem Kabel folgt, kann den Standort des Bedieners ausfindig machen; zudem schränkt das Gelände die Auswahl geeigneter Startplätze oft ein.
Damit bleiben Glasfaserdrohnen Spezialwerkzeuge für bestimmte Szenarien und keine Lösung für den Einsatz in der Breite.
Hinzu kommt: Ob eine Drohne über Glasfaser gesteuert wird, lässt sich ohne elektromagnetische Sensoren gar nicht feststellen. Nur sie zeigen an, ob im Luftraum Funkverbindungen aktiv sind. Erst damit lässt sich unterscheiden, ob eine Drohne per Funk gelenkt wird, an einem Kabel hängt oder vollständig autonom fliegt. Fehlt diese Information, tappt man im Dunkeln – auch bei der Frage, ob eigene Systeme zur Störung (Jamming) überhaupt wirken können.
Elektronische Drohnenabwehr als ständige Basisschicht
Statt als Zusatz ist elektronische Drohnenabwehr als ständiger Begleiter und unverzichtbarer Baselayer zu verstehen. Sie erkennt Steuerung, Navigation, Telemetrie und Datenübertragungen, kann Störungen auslösen, Verbindungen kappen und den Gegner mit Täuschungen in die Irre führen. Ihre Wirkung ist nicht bloß reaktiv, sondern auch präventiv: Erst sie schafft das nötige Lagebild.
Riskant ist es, sich ausschließlich auf kinetische Abwehrmittel wie Flugabwehrraketen oder Projektilsysteme zu verlassen. Solche Systeme sind teuer, lassen sich oft leicht überlasten und sind im urbanen Umfeld kaum einsetzbar. Elektronische Abwehr ist dagegen flexibel, skalierbar und nicht-tödlich – ein entscheidender Vorteil gerade in zivilen Szenarien, etwa an Flughäfen, in Fußballstadien oder bei Staatsbesuchen.
Fazit: Wer auf elektronische Abwehr verzichtet, bleibt blind
Wer elektronische Drohnenabwehr für überholt hält, verkennt, wie moderne Konflikte tatsächlich ablaufen. Unbemannte Systeme sind längst nicht mehr bloß fliegende Kameras, sondern Aufklärer, Angreifer und Saboteure. Um sie zu bekämpfen, braucht es ein Bündel an Maßnahmen – und darin kommt der elektronischen Kampfführung eine Schlüsselrolle zu.
Fotocredits
© AaroniaWeiterlesen

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