Drohnenabwehr auf sechs Rädern: Miriad rüstet das UGV Rhinos zum autonomen Raketenwerfer RHL6 auf
Auf der UNVEX 2026 zeigte Miriad Global, wie sein schweres UGV Rhinos zwölf Abfangraketen ohne Besatzung in Stellung bringen soll. Dazu entsteht mit Strikex ein eigener Flugkörper für die Drohnenabwehr gegen Jet-Drohnen – ob und wann ein einsatzreifes Gesamtsystem folgt, ist offen.

Zwölf Abfangraketen, autonome Verlegung, keine Besatzung an Bord: Für die Drohnenabwehr baut das spanische Unternehmen Miriad Global sein schweres unbemanntes Landfahrzeug (UGV) Rhinos zu einer mobilen Abschussplattform aus. Gleichzeitig arbeitet es mit Strikex an einem eigenen Abfangflugkörper, der schnelle, strahlgetriebene Drohnen bekämpfen soll.
Weil sich schnelle, strahlgetriebene Drohnen immer weiter verbreiten, steht die Luftverteidigung vor neuen Herausforderungen. Wellen von Angriffen können vorhandene Systeme sättigen und zugleich viele vergleichsweise teure Abfangflugkörper binden. Als Antwort darauf hat Miriad Global eine neue Variante seines schweren unbemannten 6×6-Fahrzeugs Rhinos entwickelt. Präsentiert wurde das RHL6 auf der spanischen Drohnenmesse UNVEX 2026; eingesetzt werden soll es als autonomer und vernetzter Raketenwerfer zur Drohnenabwehr.
Drohnenabwehr mit zwölf Startrohren
Zwölf Startrohre, angeordnet in zwei Reihen mit je sechs Flugkörpern, bilden die Grundkonfiguration von RHL6. Aufnehmen kann das schwenkbare Startmodul Raketen bis zu einem Durchmesser von 240 Millimetern und einer Länge von höchstens 3,5 Metern. Abgefeuert wird in einem Winkel zwischen rund 20 und 60 Grad.
Ganz gezielt wählt Miriad hierbei eine offene Architektur. Kompatibel sein soll das Startsystem mit verschiedenen Startbehältern sowie mit leichten Abfangflugkörpern unterschiedlicher Hersteller. Aus diesem Grund will das Unternehmen die Plattform nach eigenen Angaben auch Raketenherstellern für mögliche Integrationen anbieten, darunter solchen im deutschsprachigen Raum.
Den Ausschlag gibt jedoch weniger der Raketenwerfer als vielmehr die unbemannte Plattform, die ihn trägt. Rhinos ist in der Lage, Zielinformationen externer Sensoren zu empfangen, eine zugewiesene Feuerstellung eigenständig anzufahren, das Startmodul auszurichten und den Abschuss vorzubereiten. Ist ein Feuerauftrag erledigt, kann das Fahrzeug außerdem autonom die Stellung wechseln oder besonders exponierte Positionen einnehmen, ohne eine Besatzung in Gefahr zu bringen. Über die Feuerfreigabe entscheidet laut Miriad allerdings weiterhin die menschliche Befehlskette.
Die industrielle Verbreitung strahlgetriebener Drohnen verändert die Dimension des Problems. Tausende Flugkörper pro Monat machen den Einsatz von noch mehr Abfangflugkörpern, mehr Feuerstellungen und Systemen erforderlich, die dazu fähig sein müssen, innerhalb von Sekunden auf Sättigungsangriffe reagieren zu können— Antonio Navarro, Vorstandsvorsitzender von Miriad Global
Trägerfahrzeug mit 10,5 Tonnen
Erstmals gezeigt hatte Miriad Rhinos erst im Juni auf der Eurosatory in Paris. Das schwere unbemannte 6×6-Fahrzeug misst 5,5 Meter in der Länge, 2,5 Meter in der Breite und 1,7 Meter in der Höhe. Es wiegt rund 10,5 Tonnen und trägt bis zu 3,5 Tonnen Nutzlast.
Am Demonstrator, der gerade entsteht, wird nun so nachgebessert, dass die für Anfang 2027 geplante Version auch für die RHL6-Konfiguration geeignet ist. Auf längere Sicht soll eine gemeinsame Fahrzeugarchitektur verschiedene Missionsmodule zulassen, sodass sich Rhinos für unterschiedliche Aufgaben einsetzen lässt.
Abfangflugkörper Strikex für die Jagd auf Jet-Drohnen
Neben der Abschussplattform treibt Miriad mit Strikex die Entwicklung eines eigenen Abfangflugkörpers voran. Grundlage ist Strike2, eine leichte Jet-Abfangdrohne, die ebenfalls erst im Juni vorgestellt wurde. Gedacht ist Strikex speziell für den Einsatz gegen strahlgetriebene Drohnen der nächsten Generation und gegen Marschflugkörper.
Geplant sind bislang ein Gewicht von rund 50 Kilogramm, ein Gefechtskopf von etwa fünf Kilogramm und eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Zu den Zielen zählt Miriad unter anderem Drohnen, die schneller als 600 km/h fliegen, und Marschflugkörper bis hin zu Überschallvarianten. In der Abfangphase soll der Flugkörper selbst Überschallgeschwindigkeit erreichen.

Gestartet wird kalt aus einem Canister: Das Triebwerk zündet erst, wenn Strikex das Startrohr verlassen und sich in sicherem Abstand vom Fahrzeug befindet. Zur Bekämpfung soll der Flugkörper Daten externer Radarsysteme verarbeiten und auf den elektrooptischen beziehungsweise infraroten Suchkopf Targos zurückgreifen. Mit Unterstützung von KI soll dieser Ziele im Endanflug erkennen, klassifizieren und verfolgen. Zusätzlich sollen Algorithmen, die mehrere Flugkörper koordinieren, den gleichzeitigen Einsatz gegen größere Zielgruppen und Sättigungsangriffe erlauben.
Hinter RHL6 und Strikex steht somit derselbe Gedanke: mehr verteilte Feuerstellungen, mehr verfügbare Abfangflugkörper, kürzere Reaktionszeiten. Offen bleibt jedoch, ob und wann daraus ein einsatzreifes Gesamtsystem wird. Am Rhinos-Demonstrator wird bereits gearbeitet, Strikex dagegen ist noch in der Entwicklung.
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