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Drohnenabwehr mit Jettrainern: Slowakei will Aero L-39NG Skyfox auch als Drohnenjäger

Drohnenabwehr als Zusatzaufgabe für den neuen Jettrainer: Die letzten zwei L-39 Albatros der Slowakei laufen Ende 2026 aus, Minister Kaliňák wirbt für bewaffnete L-39NG Skyfox. Die Opposition vermisst ein nachvollziehbares Verfahren.

Slovakia Wants the Aero L-39NG Skyfox as a Jet Trainer and Drone Hunter
© Unmanned Magazine/Rosenkranz

Bewaffnete Trainingsjets für die Drohnenabwehr: Aus Sicht des slowakischen Verteidigungsministers Robert Kaliňák sind sie eine geeignete Alternative, um der wachsenden Bedrohung durch Kampfdrohnen zu begegnen. Auf der Flugshow IMAD 2026 bekräftigte er seinen Wunsch nach bewaffneten Aero L-39NG Skyfox (-> Slowakei: Flugschau IMAD 2026 zog 70.000 Besucher an).

Auf die slowakischen Luftstreitkräfte kommt ein Problem mit festem Ablaufdatum zu. Aus der einst stattlichen L-39-Albatros-Flotte fliegen nur noch zwei Maschinen. Bei ihrer letzten Generalüberholung 2020 wurde beiden eine Restlaufzeit von 1.300 Flugstunden beziehungsweise 6,5 Jahren zugestanden – womit Ende 2026 Schluss ist. Gibt es keinen Nachfolger, verliert die Slowakei ihre einzige Ausbildungsplattform mit Strahlantrieb. Und das ausgerechnet, nachdem das Land mit der Lockheed Martin F-16 Block 70 eben erst moderne Kampfflugzeuge angeschafft hat (-> Slowakei: Beschaffung von vier weiteren F-16 Block 70 fix).

Mehrfach hat sich Verteidigungsminister Robert Kaliňák (Smer-SD) daher für den Aero L-39NG starkgemacht, den der Hersteller seit Herbst 2024 als Skyfox vermarktet. Schon im April 2025 war er zusammen mit seiner damaligen tschechischen Amtskollegin Jana Černochová im Werk Vodochody zu Gast und konstatierte dort, die vorhandenen Schulflugzeuge hätten „ihre Lebensdauer verloren”. Im Gespräch waren zehn bis zwölf Maschinen – deutlich mehr als jene acht, die Aero der Slowakei bereits 2020 angeboten hatte. Damals stand der Vertrag kurz vor der Unterzeichnung, verlief nach dem Sturz der Regierung Heger im Frühjahr 2023 aber im Sand.

Die Aero L-39NG Skyfox auf der Flugshow IMAD 2026 in Sliač.
Die Aero L-39NG Skyfox auf der Flugshow IMAD 2026 in Sliač. · © Unmanned Magazine/Rosenkranz

Drohnenabwehr als zusätzliche Rolle des Skyfox

Was die aktuelle Debatte von früheren unterscheidet, ist die Begründung. Laut Kaliňák soll der Skyfox die F-16-Piloten nicht nur auf Flugzeuge der vierten und fünften Generation vorbereiten, sondern auch „ein Element der Drohnenabwehr” bilden. Gemeint ist eine kosteneffiziente Alternative gegen Drohnen mit Strahltriebwerk, gegen die eine F-16 einzusetzen wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen wäre.

Diese Nische hat Hersteller Aero Vodochody gezielt besetzt: Erstmals zeigte Aero auf der Dubai Air Show eine eigens als Drohnenjäger konfigurierte Version des L-39 Skyfox (-> Aero positioniert L-39 Skyfox als Drohnenjäger). Ausgestattet mit Williams-FJ44-4M-Triebwerk, Glascockpit und NATO-kompatiblen Pylonen, kann das Flugzeug Kanonenbehälter in den Kalibern 12,7 und 20 Millimeter, lasergelenkte 70-Millimeter-Raketen von Thales und AIM-9-Sidewinder-Lenkwaffen mitführen. Auf niedrige Betriebskosten im Vergleich zur italienischen oder südkoreanischen Konkurrenz weist zudem Jiří Šedivý hin, früher Generalstabschef in Tschechien.

Den Kauf verbindet Kaliňák mit einer Beteiligung der heimischen Industrie. Ähnlich ist es bei den Verhandlungen über die C-390M, bei denen rund ein Drittel des Auftragswerts an slowakische Unternehmen gehen soll. Aero stellt dafür eine G2G-Rahmenvereinbarung in Aussicht, in die Letecké opravovne Trenčín eingebunden wäre, außerdem die Pilotenausbildung im Flugausbildungszentrum Pardubice, wo schon Piloten aus Ungarn und Kroatien geschult werden.

Opposition stellt das Verfahren infrage

Leonardo M-346FA mit österreichischen Hoheitszeichen (Illustration)
Leonardo M-346FA mit österreichischem Hoheitszeichen (Illustration). · © Unmanned Magazine/Rosenkranz

An der Qualität des Flugzeugs hegt die Opposition keine Zweifel, wohl aber am Vorgehen. Tomáš Valášek (Progresívne Slovensko) verlangt, dass der Minister zuerst erklärt, wofür die Jets konkret benötigt werden, welche Alternativen auf dem Prüfstand standen und weshalb sich der L-39NG dabei als beste Lösung erwiesen habe.

„Jede normale Beschaffung dieser Größe verlangt etwas mehr als eine Pressekonferenz”— Tomáš Valášek (Progresívne Slovensko)

Fachbeobachter geben außerdem zu bedenken, dass den slowakischen Streitkräften derzeit sowohl das fliegende als auch das technische Personal für eine volle Staffel fehle.

Auch Österreich setzt auf bewaffnete Jettrainer

Eine bemerkenswerte Parallele gibt es zum Österreichischen Bundesheer. Im November 2025 hat Wien in einem Government-to-Government-Geschäft mit Italien zwölf Leonardo M-346FA fixiert; das Volumen liegt bei rund 1,5 Milliarden Euro, geliefert wird ab 2028. Gewählt wurde auch hier bewusst kein reiner Jettrainer, sondern die bewaffnete „Fighter Attack”-Variante mit Grifo-Radar, Selbstschutzsystem und Luft-Luft-Bewaffnung. Neben der Ausbildung soll sie so auch Einsatzaufgaben in der Luftraumsicherung übernehmen können (-> Bundesheer: Leonardo M-346FA als leichtes Kampfflugzeug).

Beide Länder, die Slowakei wie Österreich, gehen damit denselben Weg: Ein Jettrainer der nächsten Generation muss zusätzlich eine glaubwürdige Einsatzrolle abdecken, die sich im Vergleich zu vollwertigen Kampfflugzeugen günstig betreiben lässt. Ausschlaggebend dafür ist die stetig wachsende Bedrohung durch Drohnen.

Fotocredits

© Unmanned Magazine/Rosenkranz
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