Fliegende 5G-Basisstation: Schiebel und Hanwha Systems machen unbemannte Hubschrauber zum Kommunikationsknoten
Eine fliegende 5G-Basisstation, Datenrelais und Schutz vor elektronischer Kampfführung: Schiebel aus Wien und Hanwha Systems aus Südkorea weiten ihre Kooperation deutlich aus und bauen dabei auf Erfahrungen mit dem Camcopter S-300 auf.

Deutlich ausbauen wollen der österreichische Drohnenhersteller Schiebel und der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha Systems ihre Zusammenarbeit. Im Kern geht es um eine fliegende 5G-Basisstation: Gemeinsam sollen Schiebels unbemannte Hubschrauber zu Kommunikationsknoten in der Luft weiterentwickelt werden, ergänzt um Datenrelais und Lösungen gegen elektronische Kampfführung.
Den Startschuss für die Entwicklung einer neuen Generation unbemannter Systeme für Kommunikationsaufgaben gaben Hanwha Systems und das Wiener Unternehmen Mitte August in Seoul. Basis dafür ist eine exklusive Absichtserklärung, die beide Seiten bereits im Mai in Österreich unterzeichnet hatten.
Kern des Vorhabens ist es, Schiebels unbemannte Plattformen mit Kommunikations- und Avioniksystemen von Hanwha zu kombinieren. Künftig sollen die Drohnen unter anderem kompakte 5G-Basisstationen und Relaistechnik in die Luft tragen. Taktische Kommunikationsnetze zwischen Kräften am Boden und zwischen Luftfahrzeugen sollen sich so auch unter schwierigen Einsatzbedingungen aufbauen oder erweitern lassen.
Fliegende 5G-Basisstation mit Schutz vor Störung
Großes Gewicht legen beide Unternehmen auf die Widerstandsfähigkeit gegen elektronische Kampfführung. Hanwha Systems plant unter anderem, besonders kleine und leichte 5G-Basisstationsmodule für Hochfrequenz (HF) zu entwickeln, außerdem Systeme, mit denen Kommunikation aus der Luft weitergeleitet wird.
Dazu kommen Navigationslösungen: Sie sollen sicherstellen, dass das Luftfahrzeug seine Position und Lage auch bei starker gegnerischer Störung bestimmen kann. Mit weiteren Technologien sollen Kommunikationsverbindungen auch unter Störung (Jamming) so lange wie möglich bestehen bleiben.
Die Unternehmen antworten damit auf eine zentrale Herausforderung moderner Gefechtsfelder. Kommunikationsnetze müssen immer öfter mobil sein, große Reichweiten bieten und gleichzeitig gegen elektronische Störmaßnahmen geschützt sein. Eine Drohne, die als fliegender Kommunikationsknoten dient, könnte etwa über größere Distanzen oder in schwierigem Gelände Verbindungen herstellen und die Reichweite bodengebundener Netze vergrößern.
Ausweitung auf das Heer
Ganz neu ist die Kooperation der beiden Firmen allerdings nicht. Seit 2023 wirkt Hanwha Systems als Systemintegrator an südkoreanischen Programmen mit, bei denen es um schiffsgestützte Aufklärungsdrohnen für Marine und Marine Corps sowie um Einsätze auf den nordwestlichen Inseln geht. Eingesetzt wird dabei der unbemannte Hubschrauber Camcopter S-300 von Schiebel.
Daten und Erfahrungen aus diesen Programmen sollen nun in neue Lösungen für Landstreitkräfte einfließen, vor allem für Kommunikationsaufgaben bei beweglich geführten Landoperationen. Da sich die Partner auf erprobte Plattformen und vorhandene Versuchsdaten stützen können, rechnen sie mit kürzeren Entwicklungszeiten und niedrigeren Kosten, als eine komplette Neuentwicklung mit sich brächte.
Vertriebsnetz als Türöffner
Zugleich hat die Kooperation für Hanwha eine industriepolitische Seite. Der Konzern möchte seine Kommunikations-, Radar- und Avioniksysteme möglichst als standardisierte Nutzlasten in die Plattformen von Schiebel integrieren. Über das internationale Vertriebsnetz des österreichischen Herstellers könnten südkoreanische Systeme so neue Exportmärkte erschließen.
Nach Angaben von Hanwha beliefert Schiebel, das seinen Hauptsitz in Wien hat, mittlerweile mehr als 40 militärische, staatliche und zivile Kunden weltweit mit unbemannten Systemen – darunter Nutzer in Italien, Großbritannien, Frankreich, Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Wir wollen die mittel- und langfristige Zusammenarbeit mit Schiebel angesichts des sich rasch verändernden globalen Drohnenmarktes weiter ausbauen und bei Technologien für die nächste Generation unbemannter Systeme eine führende Rolle einnehmen— ein Vertreter von Hanwha Systems
Dem Vertreter zufolge will das Unternehmen zugleich neue Möglichkeiten schaffen, seine Avioniksysteme in Südkorea einzusetzen und zu exportieren.
Schiebel wiederum gewinnt durch die Kooperation ein breiteres Einsatzspektrum für seine Plattformen: Das klassische unbemannte Luftfahrzeugsystem (UAS) für die Aufklärung soll sich zunehmend zu einem fliegenden Kommunikationsknoten für das vernetzte Gefechtsfeld entwickeln, der gegen elektronische Kampfführung gehärtet ist.
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