Zum Inhalt springen
Unmanned Systems / Aerial Drones

Drohnenfabrik im Container: Sentinel AMS zielt mit StarForge auf die Arktis

Statt Ersatzteile über Tausende Kilometer heranzuschaffen, will Sentinel AMS aus Québec Drohnen dort drucken, wo sie gebraucht werden. Die mobile Drohnenfabrik StarForge verbindet Fertigung, Kommandoposten mit Radar und eigene Energieversorgung.

Sentinel Star Forge: Containerbasierte Drohnenfabriken für die Arktis
Sentinel Star Forge: Containerbasierte Drohnenfabriken für die Arktis · © sentinel-ams.com

Von außen fällt der Seecontainer kaum auf, doch er soll grundlegend verändern, wie entlegene Militärposten versorgt werden. Mit StarForge entwickelt das kanadische Rüstungsunternehmen Sentinel Advanced Military Solutions (Sentinel AMS) aus Châteauguay in Québec eine containerbasierte Drohnenfabrik, in der Drohnen direkt im Einsatzgebiet hergestellt, repariert und eingesetzt werden. Vor allem die Arktis hat die Firma dabei im Blick.

Bei der Auslieferung sind die Container bereits mit Material und den derzeitigen Modellen von Drohnen und Abwehrdrohnen beladen. 3D-Drucker im Inneren erzeugen die Drohnenzellen; eingebaut werden danach Komponenten, die bei mehreren Modellen gleich sind. Nach Unternehmensangaben reichen die Teile, die ein Container mitführt, für 200 bis 350 Drohnen. Neue Baupläne können digital aus der Cloud eingespielt werden – Sentinel beschreibt das als digitale Lagerbestände, die an die Stelle physischer Vorräte treten. Technikchef Edward Zimmerman sagte dazu gegenüber dem Journal de Montréal: „Statt eines Lagerbestands, der Tausende Kilometer zurücklegen muss, produzieren wir selbst vor Ort”.

Drei Bausteine der mobilen Drohnenfabrik

Drei Bausteine gehören zu StarForge. Der erste ist die mobile Fertigung von Drohnen und Ersatzteilen, der zweite ein Kommandoposten: Dessen Radar erfasst im Umkreis von rund zehn Kilometern sowohl Flugzeuge als auch Drohnen, außerdem können von dort Abfangdrohnen gestartet werden. Als dritter Teil kommt eine hybride Energieversorgung hinzu; mit ihr soll das System leise und autark arbeiten, ohne auf feste Infrastruktur angewiesen zu sein. Angestrebt wird bei Sentinel AMS eine lückenlose Abwehrkette, in der Erkennen, Verfolgen, Identifizieren und Neutralisieren ineinandergreifen.

Laut Zimmerman könnte ein solches System die Canadian Rangers in der Arktis über drei Monate hinweg unterstützen, ohne dass Nachschub aus dem Süden nötig wäre. Firmenchef John Soares veranschaulicht das so: „Stellen Sie sich vor, Sie erreichen einen abgelegenen Außenposten in der Arktis, an dem es keine herkömmlichen Lieferketten mehr gibt”. Binnen weniger Stunden stünden dann die Führung, eine gesicherte Kommunikation, eine autonome Überwachung, eine mobile Stromversorgung sowie die eigene Fertigung bereit.

Präsentiert wurde StarForge auf der Rüstungsmesse CANSEC 2026, und zwar im Zentrum eines neuen Verteidigungskonsortiums, zu dessen Partnern unter anderem die University of Alberta zählt. Rund 6,2 Millionen Euro steuert Lockheed Martin gemäß den kanadischen Gegengeschäftsregeln bei; gekoppelt ist der Beitrag an den Erwerb von 26 HIMARS-Raketenwerfersystemen, den die kanadische Armee tätigt. An der Entwicklung wirken Ingenieure von Lockheed Martin Canada in Calgary direkt mit. Nach Unternehmensangaben nutzt das US Marine Corps StarForge bereits für Tests und Training.

Ein Außenposten in der Arktis versorgt sich mit selbstgebauten Drohnen.
Ein Außenposten in der Arktis versorgt sich mit selbstgebauten Drohnen. · © sentinel-ams.com

In die Entwicklung fließt die Auswertung von Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg ein. Weil Russland schnelle Drohnen mit Strahltriebwerk einsetzt, werden wirksame Abfangsysteme dringender benötigt. Geprüft werden außerdem Aufklärungsdrohnen sowie Logistikdrohnen, die Munition und Sanitätsmaterial transportieren. Nach Zimmermans Worten ist das System defensiv ausgerichtet. Sentinel AMS gehört als Tochter zu CMP Advanced Mechanical Solutions, das mehr als 700 Beschäftigte hat, und möchte von Kanadas Aufrüstungskurs profitieren: Rüstungsbeschaffungen über rund 111 Milliarden Euro sind in Ottawa für die kommenden zehn Jahre geplant.

3D Drucker im Container.
3D Drucker im Container. · © sentinel-ams.com

Fotocredits

© sentinel-ams.com
Werbung336 × 280
Perimeter Protection 2027 – Jetzt Ticket sichern! 19.–21. Januar 2027, Nürnberg (incontent)

Weiterlesen

Die Woche der unbemannten Systeme.