FPV-Drohnen ohne Lötkolben: Wiener Start-up Dropforce will den Drohnenbau vereinfachen
Eine Platine statt vieler Einzelteile, Gehäuse aus dem 3D-Drucker und eine möglichst europäische Lieferkette: Die Gründer von Dropforce wollen FPV-Drohnen schneller und einfacher bauen lassen und suchen nun Pilotkunden.

Als Symbol des Ukraine-Krieges gilt die moderne FPV-Drohne, gesteuert mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View). Sie ist billig, rasch herzustellen, hochwirksam – und hat damit das Gefechtsfeld verändert. Zugleich wird deutlich, dass der Bau solcher FPV-Drohnen häufig mühsam und fehleranfällig ist und stark an asiatischen Lieferketten hängt. An diesem Punkt setzt Dropforce an, ein Defence-Start-up aus Österreich.
Gegründet haben das junge Unternehmen Jakub Hamdard und Christian Mühl. Die beiden Luftfahrttechniker aus Wien kennen einander seit der Schulzeit und wollen den Bau militärischer FPV-Drohnen nun radikal vereinfachen. Christian Mühl beschreibt den Anspruch so:
Wir wollten nicht einfach bestehende Drohnen weiterentwickeln, sondern das System komplett neu denken— Christian Mühl, Dropforce
Gemeinsam ist beiden Gründern ein klassischer Hintergrund in der Luftfahrt. Mühl arbeitete nach der HTL Eisenstadt unter anderem bei Schiebel und Airborne Technologies, zuletzt bei Diamond Aircraft. Hamdard war zuerst in der Satellitentechnik bei Enpulsion beschäftigt und wechselte später ebenfalls zu Diamond Aircraft. Dort liefen sich die beiden wieder über den Weg und arbeiteten nebenher bereits an ersten Drohnenkonzepten.
Von der Lichtshow zur Militärdrohne
Mit Militär hatte das Vorhaben anfangs allerdings nichts zu tun – am Beginn standen Drohnen-Lichtshows. Hamdard erinnert sich:
Die verfügbaren chinesischen Systeme waren extrem teuer und qualitativ oft nicht dort, wo wir sie haben wollten— Jakub Hamdard, Dropforce
Das Duo entwickelte deshalb eigene Drohnen, zunächst auf klassischem Weg mit zugekauften Komponenten und viel Handarbeit. „Am Anfang haben wir die Teile einzeln bestellt und selbst zusammengelötet – so wie es heute bei vielen Tactical-Drohnen noch gemacht wird”, schildert Mühl. Bald zeigte sich, dass gerade hier eines der größten Probleme steckt: Der Zusammenbau kostet viel Zeit, verlangt hohes technisches Können und bringt zahlreiche Fehlerquellen mit sich.
Eine Platine für FPV-Drohnen statt Lötarbeit
Daraus zog Dropforce die Konsequenz und entwickelte eine durchgehend integrierte Elektronikplattform: Flugcontroller, Motorsteuerung und weitere Komponenten befinden sich nun auf einer einzigen Platine, Lötarbeit fällt praktisch weg. „Heute bauen manche FPV-Drohnen noch in vier bis acht Stunden zusammen. Wir sagen: Das muss einfacher gehen”, sagt Hamdard.
Bemerkenswert ist, dass sich die Gründer das erforderliche Wissen großteils selbst beigebracht haben – „Sehr viel über das Internet, YouTube und Open-Source-Communities”, wie Mühl erzählt. Ihre erste vollwertige Eigenentwicklung entstand erst 2025, lief nach ihren Angaben aber auf Anhieb.
Noch einen Schritt weiter geht der eigentliche Innovationsansatz. Ausgeliefert werden soll die Elektronikplattform künftig zusammen mit modularen Komponenten aus dem 3D-Druck. Die nötigen Gehäuse- und Strukturteile könnten Nutzer dann selbst herstellen, passend zu unterschiedlichen Missionen und Anforderungen.
„Der Drucker kalibriert sich selbst. Man drückt eigentlich nur noch auf das gewünschte Modell”, beschreibt Hamdard das Verfahren. So entstehe die Drohne selbst beinahe wie ein Baukastensystem.
Als Vorteil nennen die Gründer, dass sich Produktion und Anpassung dezentral erledigen ließen – theoretisch sogar unmittelbar nahe der Front oder in militärischen Werkstätten. Flexibel bleibt die Plattform dabei trotzdem: Verschiedene Nutzlasten, FPV-Systeme oder spätere Erweiterungen sollen sich ohne großen Aufwand einbinden lassen.
Europäische Lieferkette als Ziel
Derzeit nutzt Dropforce noch handelsübliche 3D-Drucker. Auf lange Sicht soll die Lieferkette jedoch so europäisch wie möglich werden, bei den Drucksystemen ebenso wie bei der Elektronik. „Unser Ziel ist ein möglichst europäisches Gesamtsystem“, unterstreicht Mühl. Wie kritisch resiliente Lieferketten und schnelle Produktionsfähigkeit geworden seien, habe gerade der Krieg in der Ukraine vor Augen geführt.
Für den militärischen Einsatz sehen die Gründer viel Potenzial, und zwar nicht allein bei klassischen FPV-Angriffsdrohnen, sondern ebenso bei kleineren Abfangdrohnen oder spezialisierten Systemen. Dank des modularen Konzepts lasse sich die Drohne schnell an verschiedene Anforderungen und Sensoren anpassen; als Nutzlast seien nach aktueller Konzeption bis zu drei Kilogramm denkbar.
Allerdings steht Dropforce noch am Anfang. Technisch sei das Produkt einsatzbereit und erprobt; gesucht würden nun Pilotkunden und Partner, mit denen es an realen Einsatzanforderungen weiterentwickelt werden kann. Hamdard dazu: „Wir brauchen jetzt Feedback aus der Praxis.” Und weiter: „Nur so sieht man, was im echten Einsatz funktioniert und was man noch verbessern muss.”
Mit österreichischen Stellen gibt es bereits erste Gespräche. Darüber hinaus erhoffen sich die Gründer Kontakte in Forschung, Verteidigung und Industrie. Für beide steht fest, dass die Zukunft militärischer Drohnensysteme weniger in immer leistungsfähigeren Plattformen liegt als vor allem in einer einfachen, schnellen und skalierbaren Produktion. Christian Mühl bringt es so auf den Punkt:
Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, wie gut eine Drohne ist – sondern wie schnell und einfach man sie bauen kann.— Christian Mühl, Dropforce
Fotocredits
© Unmanned Magazine/ZachariasWeiterlesen

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