Starlink-Drohnen: Russische Blitz-Drohnen werden für die Ukraine zur ernsten Gefahr
Mit Klebeband befestigte Terminals machen billige russische Blitz-Drohnen zu Starlink-Drohnen, gegen die elektronische Gegenmaßnahmen bislang nichts ausrichten. Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov setzt auf Space X – doch eine Lösung steht noch aus.

Seit fast drei Jahren stellen die russischen Blitz-Drohnen – in Massen aus unedlen Materialien gefertigte Billigdrohnen – eine wachsende Gefahr für die ukrainischen Streitkräfte dar. Seit einiger Zeit und in zunehmendem Maß kommen Starlink-Drohnen hinzu: Blitz-Drohnen, an die Starlink-Terminals angebaut sind.
Gegenüber vergleichbarer westlicher Loitering Munition kosten sie ein Vielfaches weniger; ihr größter Vorteil liegt aber vor allem darin, wie stark sie sich anpassen lassen. Ob Aerodynamik, Form, Gewicht oder Gewichtsverteilung – soll kurzfristig etwas Neues ausprobiert werden und sind dafür Um- und Anbauten nötig, stößt die Konstruktion nirgends an ihre Grenzen. Im Westen fehlt ein Gegenstück dazu.

Für die ukrainischen Streitkräfte ist das ein ernstes Problem. Mit „angebaut” ist in diesem Fall gemeint, dass die Russen das Terminal schlicht mit Klebeband auf der Struktur befestigen. Offenbar klappt das so gut, dass Serhii „Flash” Beskrestnov, ukrainischer Spezialist für elektronische Kriegsführung, schon mehrfach gewarnt hat: Ein Mittel, Starlink zu jammen, sei bislang nicht gefunden. Elektronische Gegenmaßnahmen bleiben wirkungslos, und auch per elektronischer Aufklärung lässt sich nicht ermitteln, wo sich die Drohnen im Flug befinden.
Starlink-Drohnen: Wie aus einem Vorteil ein Nachteil wurde
Ganz oben auf der Agenda steht das Thema beim neuen ukrainischen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov. Er war es, der 2022 Elon Musk um Hilfe bat, nachdem Russland die Satellitenkommunikation des ukrainischen Militärs zeitweise lahmgelegt hatte. Für viele überraschend erwies sich die Starlink-Technik damals als äußerst stabil; mit dem Versuch, die zivile Billigtechnik zu stören, biss sich Russland die Zähne aus.

Dieser Vorteil hat sich nun jedoch ins Gegenteil verkehrt. Starlink-Terminals und passende Verträge kann sich Russland offensichtlich in beliebiger Menge beschaffen. Das Ergebnis: Mehrmals täglich schlagen Blitz-Drohnen mit Starlink-Anbindung bei ukrainischen Zielen ein, teilweise tief hinter der Frontlinie. Samt Terminal und sämtlichen Komponenten kosten die Drohnen noch immer weniger als eine einzelne Artilleriegranate – und sie treffen in mehr als 50 Kilometern Entfernung vom Startort.
Mittlerweile wird dieselbe Technik auch in Shahed-Drohnen verbaut, die damit präzise gelenkt Ziele in der gesamten Ukraine erreichen können. In einer Stellungnahme vom 29. Jänner stellte Fedorov Lösungsansätze in Aussicht. Nach seinen Angaben steht sein Team mit Space X in Kontakt; er dankte der Präsidentin von Space X, Gwynne Shotwell, und persönlich Elon Musk dafür, dass rasch reagiert und mit der Arbeit an einer Lösung begonnen worden sei. Beskrestnov spricht von hunderten Fällen, in denen bei Angriffen mit unbemannten Luftfahrzeugen (UAV) Starlink-Terminals von Space X genutzt wurden.
In dramatischer Weise führt der Ukraine-Krieg vor Augen, wie sehr sich zivile Alltagstechnologie für militärische Zwecke missbrauchen lässt – und auch missbraucht wird –, sobald operative Vorteile daraus entstehen. Überlegungen, wie zivile Technik widerstandsfähiger gegen militärischen Missbrauch werden könnte, stecken bisher allerdings nicht einmal in den Kinderschuhen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass sich mit Lösungen auf Basis von COTS-Technologie in kürzester Zeit vergleichbare und teils sogar bessere Ergebnisse erzielen lassen als mit hochkomplexen End-to-End-Systemen der westlichen Rüstungsindustrie – Systemen, die enorme Kosten und jahrelange Lieferzeiten mit sich bringen.
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