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Unmanned Systems / Aerial Drones

Xer Technologies: Schweizer Drohne mit Hybridantrieb

Auf der „DroneVation & Defence 2026” in Wien präsentierte das Schweizer Unternehmen Xer Technologies einen Hybrid-Multicopter für Langzeiteinsätze. Das Unternehmen entwickelt unbemannte Flugsysteme (UAS) für Industrie-, Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen. Ein Gespräch mit Waldemar Schäfer, dem technischen Leiter von Xer Technologies.

XER Waldemar Schaefer
© Unmanned Magazine/Sebastian Freiler

Herr Schäfer, was ist das Besondere an Ihrem Produkt?
Wir präsentieren einen Hybrid-Multicopter für Langzeiteinsätze. Die Drohne wird von einem Zweitaktmotor angetrieben, der während des Flugs elektrische Energie erzeugt. Dadurch erreicht sie mit einer Nutzlast von sieben Kilogramm Flugzeiten von zweieinhalb bis drei Stunden. Das ist der entscheidende Unterschied zu rein elektrisch betriebenen Multicoptern, deren Flugzeit häufig nicht ausreicht, um größere Einsatzräume dauerhaft zu überwachen.

Für welche Einsatzbereiche ist das System gedacht?
Im zivilen Bereich nutzen wir die Drohne vor allem für die Inspektion von Stromleitungen oder zur Erkennung von Gasemissionen. Im militärischen Bereich liegt der Schwerpunkt auf Electronic Warfare, also der Detektion und Klassifizierung von Funksignalen sowie der optischen Aufklärung.

Xer
Die Hybrid-Drohne Xer X8 Pro mit bis zu 3,5 Stunden Flugdauer und zehn Kilo Nutzlast, etwa für die Aufnahme von Aufklärungsmitteln. · © Unmanned Magazine/Sebastian Freiler

Welche Fähigkeiten besitzt die Drohne?
Das ausgestellte System verfügt über einen Direction Finder. Damit können Funkgeräte oder Funksignale erkannt und geortet werden. Anschließend lässt sich mit einer Kamera auf das Ziel zoomen und es optisch identifizieren. Dadurch lassen sich Ziele aus einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern aufklären. Die gewonnenen Informationen können anschließend an Effektoren, also Waffensysteme, weitergegeben werden. Das ist klassische Luftaufklärung.

Kommen wir noch einmal auf den Hybridantrieb zurück. Welche Vorteile bietet er gegenüber rein elektrisch betriebenen Drohnen?
Die Flugzeit rein elektrisch betriebener Drohnen ist meist auf 30 bis 40 Minuten begrenzt. Mit unserer Hybriddrohne kann man zunächst etwa 20 Minuten bis ins Einsatzgebiet fliegen, dort eineinhalb bis zwei Stunden Aufklärung betreiben und anschließend wieder zurückkehren. Nach der Landung müssen keine Akkus gewechselt oder transportiert werden. Man füllt einfach Kraftstoff nach und kann sofort wieder starten. Viele dieser Aufklärungsaufgaben wurden bislang mit Flugzeugen oder Hubschraubern erledigt. Der Krieg in der Ukraine zeigt jedoch, dass bemannte Luftfahrzeuge in vielen Szenarien nur eingeschränkt eingesetzt werden können. Unser Ziel ist es, vergleichbare Fähigkeiten in einem deutlich kompakteren und einfacher zu bedienenden Multicopter bereitzustellen.

Wie laut ist die Drohne im Einsatz?
Natürlich besitzt sie eine akustische Signatur. Man hört sie. Zwar gibt es Varianten mit speziellen Schalldämpfern, grundsätzlich erzeugen Multicopter mit Propellern aber immer Geräusche. Das gilt auch für viele andere Drohnensysteme, etwa Long-Range-Drohnen wie die iranischen Shahed-Systeme. Unser Ansatz ist daher nicht, möglichst unhörbar zu sein. Die Drohne soll Ziele aus sicherer Distanz aufklären, Funksignale erfassen und Signalcluster erkennen. Die gewonnenen Informationen werden ausgewertet und können anschließend an Effektoren weitergegeben werden.

Wie entwickelt sich die Verteidigungstechnologie in der Schweiz?
Grundsätzlich gibt es in der Schweiz gute Initiativen. Man hat erkannt, dass Verteidigungstechnologie heute anders entwickelt werden muss als klassische Beschaffungsvorhaben. Früher wurden Anforderungen definiert und anschließend ein fertiges System beschafft. Heute verlaufen technologische Entwicklungen deutlich schneller. Deshalb entstehen zunehmend Testfelder und Versuchsumgebungen, in denen neue Technologien gemeinsam mit den späteren Nutzern erprobt werden können. Wie sich diese Initiativen weiterentwickeln, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Entwicklung geht aus unserer Sicht in die richtige Richtung.

Wie testen Sie Ihre Systeme? Länder wie die Ukraine oder Israel sammeln ihre Erfahrungen unter realen Einsatzbedingungen. Diese Möglichkeit haben Hersteller in Mitteleuropa nicht.
Wir verfügen über ein eigenes Testgelände. Darüber hinaus nehmen wir regelmäßig an militärischen Übungen teil. Da sich Drohnentechnologien derzeit sehr schnell entwickeln, geht es bei diesen Übungen nicht nur darum, die Systeme zu testen. Ebenso wichtig ist es, gemeinsam mit den späteren Nutzern zu erproben, wie sich solche Systeme sinnvoll in bestehende Einsatzkonzepte integrieren lassen. In diesem Jahr werden wir beispielsweise an der von der portugiesischen Marine gemeinsam mit NATO-Partnern veranstalteten Übung REPMUS teilnehmen. Dort und bei weiteren Übungen können wir unsere Systeme direkt im Zusammenspiel mit den Anwendern erproben.

Sind Sie zum ersten Mal auf einer Messe in Österreich vertreten?
Ja. Bisher lag unser Schwerpunkt vor allem auf dem zivilen Markt. Durch unsere Partner und die gestiegene Nachfrage im Verteidigungsbereich sind wir nun verstärkt auf Fachmessen wie dieser vertreten.

Fotocredits

© Unmanned Magazine/Sebastian Freiler
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