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Counter-UAS / Aerial Drones

Argus Interception: „Drohnen abfangen, oder besser einfangen“

Das deutsche Drohnen-Start-up Argus bringt ein innovatives System auf den Markt: einen großen Quadcopter, der mithilfe abgeschossener Netze unerwünschte oder feindliche Drohnen einfängt. Mit diesem Ansatz fiel Argus auf der IDEX in Abu Dhabi und der IDET in Brünn auf. Ein Gespräch mit Argus-Mitgründer und CSO Sven Steingräber über das Konzept und die Technologie.

Argus Interception: “Intercepting drones, or rather, ‘capturing’ them…”
© Georg Mader
Argus-Geschäftsführer Sven Steingräber und Militär Aktuell-Redakteur Georg Mader
Argus-Geschäftsführer Sven Steingräber im Gespräch mit Militär Aktuell-Redakteur Georg Mader. · © Militär Aktuell

Herr Steingräber, wie kam es zu der Idee hinter Ihrer Unternehmung?
Die Idee dazu entstand an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg im Rahmen des Forschungsprojekts FALKE – das steht für „Fähigkeit des Abfangens von in gesperrte Lufträume eindringenden Kleinfluggeräten durch zivile Einsatzmittel”. Die Argus Interception wurde von ehemaligen Offizieren (HSU Alumni) 2023 gegründet. Seit 2024 sind wir am Standort Rotenburg (Wümme) beheimatet. Als ehemalige Studenten pflegen wir auch weiterhin eine strategische Partnerschaft mit der Universität. Und es wäre natürlich ein schöner roter Faden, wenn unser Produkt irgendwann auch in den Streitkräften zum Einsatz käme, vielleicht ja sogar beim Bundesheer.

Ihr Produkt ist also in Deutschland noch nicht bei den Behörden im Einsatz?
Das Interesse an unserer Lösung ist groß. Wir arbeiten dabei eng mit Polizeien, Behörden und auch der Bundeswehr zusammen. Wir führen regelmäßig Demos durch, um das System vorzustellen. Oft besteht anfangs Skepsis, ob die Technologie denn wirklich einsatzbereit ist. Aber wir konnten in Tests und Vorführungen zeigen, dass unser System marktreif ist.

Was bedeutet „weit entwickelt” in diesem Zusammenhang – sprechen wir von Erfolgsquoten im Bereich von 100 Prozent?
Es kommt dabei immer auf das Einsatzszenario an. Daher sind genaue Angaben zur Trefferwahrscheinlichkeit schwierig. Wichtig sind dabei auch die Geschwindigkeiten. Wir kamen von Anforderungen von zirka 5 Meter pro Sekunde. Mittlerweile konnten wir das System deutlich performanter gestalten sodass höherer Abfanggeschwindigkeiten möglich sind.

Wie kann man sich einen Einsatz Ihres Quadcopters vorstellen?
Es bedarf einer Bodensensorik, welche dazu dient, die Gefahr aus der Luft zu detektieren. Diese Sensorik leitet dann unseren Interceptor zu dem Ziel. In der Luft schaut unserer Drohne selber mit eigenen Onbordsensorik und verifiziert das Ziel. Dann kann die Drohne das Ziel entweder verfolgen, welches dazu dient das Flugverhalten der Drohne zu beobachten oder den Piloten gegebenenfalls ausfindig zu machen. Die Drohne kann auch bei Gefahr im Verzug den sofortigen Befehl bekommen, die Drohne schnellstmöglich mit dem Netz einzufangen. Dann begibt sich der Interceptor auf schnellstem Wege zum Ziel und fängt dieses ein. Ist eine Drohne eingefangen, kann diese an einem sicheren Ort automatisiert abgelegt werden.

Argus Interception: „Drohnen abfangen, oder besser ‚einfangen‘…”
© Georg Mader
Argus Interception: „Drohnen abfangen, oder besser ‚einfangen‘…”
© Georg Mader

Dieser Ansatz dürfte für Behörden interessant sein, denn das Ziel wird nicht zerstört, sondern gesichert. Kann man nach dem Einsatz die Steuerdaten der eingefangenen Ziele auslesen?
Genau das ist unser Ansatz. Denn es gibt dadurch keine herabstürzenden Teile, die auf Menschen oder Infrastruktur fallen könnten. Noch wichtiger für staatliche Behörden sind aber die Fragen: Was hat die Drohne aufgezeichnet? Wo kam sie her? Wer hat sie gesteuert?  Das Ganze ist dann möglich, da die eingefangene Drohne nicht zerstört wird.

Bis zu welchem Gewicht können Ziele eingefangen werden?
Aktuell sind wir in der Lage, Drohnen mit bis zu mehreren Kilogramm einzufangen – also nahezu alles, was kommerziell erhältlich ist, inklusive modifizierter Drohnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob beispielsweise nur ein Rotor des Ziels erwischt wird. Denn auch dann ist das Ziel funktionsunfähig, wird also „disabled”, stürzt aber nicht ab.

Argus drone in action
Argus-Drohne im Abfang-Einsatz. · © Argus

Ihr Quadcopter fängt das Ziel also mit Netzen ein. Ist es in der Folge schon vorgekommen, dass die eingefangene Drohne aus dem Netz „entkommt”?
Nein, wenn eine Drohne eingefangen ist, ist es Stand heute noch nicht vorgekommen, dass uns eine Drohne entwischt ist. Das 4×4 Meter oder 7×7 Meter Netz wickelt sich so um die Drohne, dass ein Entwischen ausgeschlossen ist.

Erfolgt dieser Zugriff immer nach demselben Muster?
Nicht zwingend. Es gibt zwei unterschiedliche Modi: den „Dogfight”-Modus – quasi Luftkampf – in dem wir uns hinter das Ziel setzen und das Netz abfeuern. Und den „Shield”-Modus: Hier positioniert sich die Abfangdrohne frontal im Anflugweg des Ziels und fängt es durch ein rechtzeitig ausgelöstes Netz ab. Das erfordert schnelle Anpassungen – in Höhe, Position, Richtung – um die Fangwahrscheinlichkeit zu maximieren.

Welchen Part übernimmt dabei die KI?
Die künstliche Intelligenz übernimmt die Datenfusion – also das Zusammenspiel von Radar, LiDAR, optischen Sensoren und der Bodenkontrollstation. Im Fernbereich arbeitet das Radar, im Nahbereich das LiDAR. Die KI berechnet fortlaufend die Distanzen und hilft dabei, die optimale Angriffsposition zu bestimmen – wie ein kleiner Feuerleitrechner.

Die etwa im Ukraine-Krieg eingesetzten Drohnen sind in der Anschaffung relativ günstig. Kann Ihr System da mithalten, oder muss sich eine Polizei- oder Militäreinheit klar zu dem System bekennen?
Drohnenabwehr ist tendenziell immer teurer als der Drohnenangriff. Das liegt daran, dass leistungsfähige Sensorik benötigt wird, um kleine Systeme in der Luft zu detektieren. Gegen immer kleinere, leistungsfähigere und autonomere Drohnen müssen Lösungen gefunden werden, um sich wirksam zur Wehr zu setzen. Das bedeutet, dass unterschiedliche Sensoren miteinander vernetzt werden müssen, um dieser Gefahr Herr zu werden.

Fotocredits

© Georg Mader · © Argus · © Militär Aktuell
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