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Counter-UAS

Startup-Unternehmen Riseport: Kostengünstige Drohnenabwehr

Riseport Europe ist ein deutsches Start-up, das kostengünstige Lösungen zur Drohnenabwehr entwickelt. Geschäftsführer Emanuel Aprill erläutert im Interview das Argos-System und aktuelle Entwicklungen.

Sketch: The Argos drone defense system from Riseport.
© Riseport

Riseport ist ein Startup im Defence-Bereich. Woran wird aktuell konkret gearbeitet?
Im Kern beschäftigen wir uns mit einer militärischen Fähigkeitslücke im Bereich der Drohnenabwehr, konkret im Segment kleiner unbemannter Systeme bis etwa 450 Kilogramm. Dabei geht es nicht nur um Drohnen, sondern generell um alles, was sich im Luftraum bewegt und von Truppen abgewehrt werden muss.

Soldat und Unternehmer: Riseport-Geschäftsführer Emanuel Aprill.
Soldat und Unternehmer: Riseport-Geschäftsführer Emanuel Aprill. · © Riseport

Daraus ist unsere Produktfamilie Argos entstanden. Das System besteht in der Basisversion aus einer passiven 360-Grad-Detektion mit Kamera-, akustischen und RF-Sensoren, bewusst ohne Radar. Ergänzt wird das durch eine kinetische Feuereinheit auf Basis einer automatischen Schrotwaffe.

Ein wesentlicher Punkt ist, dass das System ohne aktive Emissionen arbeitet und damit auch hinter feindlichen Linien nicht aufgeklärt wird. Gleichzeitig ist es leicht und kompakt genug, um auf unterschiedlichsten Plattformen integriert zu werden, unabhängig vom Fahrzeugtyp. Auch ein stationärer Einsatz ist umsetzbar.

Sind weitere Komponenten oder Ausbaustufen geplant?
Ja, definitiv. Das Basissystem wird durch zusätzliche Komponenten ergänzt. Dazu gehört unter anderem ein Launcher mit Lenkflugkörpern, der Teil der Argos-Produktfamilie ist. Damit können wir nicht nur im Nahbereich (Schrotmunition), und auf etwa 200 Meter Distanz (Airburst-Munition), sondern mit den Raketen auch auf etwa zwei Kilometer wirken. Außerdem kann das System durch verschiedene Sensoren, Nachtsichtlösungen und ein Multi-Weapon-Paket erweitert werden, bei dem unterschiedliche Waffen integriert werden können.

„nicht der Auftrag wird an Hightech-Systeme angepasst – Lage, Auftrag und Bedürfnis der Truppe erfordern das passende Mittel.“
Emanuel Aprill, Geschäftsführer von Riseport Europe

Wie wird der Eigenbeschuss (friendly fire) ausgeschlossen?
Der Beschuss eigener Drohnen oder anderer Objekte, wie Vögel, wird so verhindert, dass wir über Bild- und Tonsignaturen und RF-Signaturen verfügen und sie über KI im Blue Force Tracking ausschließen können. Wir haben dazu diverse Erweiterungsprodukte in der Produktfamilie, die wir zusammen mit Militärs, insbesondere mit der Bundeswehr, weiterentwickeln. Auch die Zulieferung weiterer Signaturen erfolgt über Partner, wobei wir natürlich auf Unterstützung angewiesen sind.

Wie kam es zur Entwicklung dieses Systems und was war die Motivation dahinter?
Es gab mehrere Gründe. Der erste war die klare Erkenntnis aus der Truppe, dass in diesem Bereich eine erhebliche Fähigkeitslücke besteht, insbesondere bei autonomen oder teilautonomen Systemen. Unser System kann völlig autonom agieren, da wir wollen, dass sich die Fahrzeugbesatzung mit dem Auftrag beschäftigt, nicht mit der Drohnenabwehr. Aktuell muss rechtlich ein HMI verbaut werden, sodass eine Schussfreigabe über den Mensch erfolgt.

Ein weiterer Punkt ist, dass bestehende Systeme oft sehr teuer sind und wirtschaftlich in keinem Verhältnis zur Bedrohung durch günstige Drohnen stehen. Gleichzeitig wären sie personell kaum in der notwendigen Breite betreibbar.

Hinzu kommt, dass die verfügbaren Systeme zeitlich nicht schnell genug zulaufen. Deshalb haben wir entschieden, die Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen – aus der Perspektive von Soldaten für Soldaten und gemeinsam mit Soldaten.

Wie ist der aktuelle Stand des Projekts?
Wir haben innerhalb von sechs Monaten aus einer Idee einen hochrüstbaren Prototypen entwickelt und tatsächlich auch gebaut. Der Fokus liegt dabei klar auf Geschwindigkeit: Wir brauchen keine Goldrandlösung, sondern wir brauchen eine zweckmäßige Fähigkeit in der Truppe. Aktuell arbeiten wir an der technischen Weiterentwicklung der Prototypen. Parallel dazu laufen Gespräche mit Investoren, um die nächsten Entwicklungsschritte und die Skalierung abzusichern.

Prototyp und Skizze: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.

Prototyp: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.
© Riseport
Prototyp: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.
© Riseport
Skizze: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.
© Riseport
Skizze: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.
© Riseport
Skizze: Das Drohnenabwehrsystem Argos von Riseport.
© Riseport

Finanziert wurde das Projekt bisher weitgehend aus Eigenmitteln und durch einzelne Kleinanleger. Für die nächste Phase wird gezielt ein strategischer Partner gesucht, der die Weiterentwicklung unterstützt, ohne operativ einzugreifen – ausgeschlossen hiervon ist die etablierte Rüstungsindustrie. Dazu steht derzeit die Gründung einer aktienbasierten Gesellschaft für Europa an mit voraussichtlichem Standort in Sachsen. Derzeit führen wir Gespräche mit Ankerinvestoren im DACH-Raum.

Wie sieht die weitere Entwicklung und Planung aus?
Im nächsten Schritt ist eine Schießerprobung im Sommer geplant, in weiten Teilen zusammen mit der Bundeswehr. Zusätzlich wird es eine offizielle Demonstration bei der Bundeswehr geben.

Ab 2027 ist die Erprobung im militärischen Einsatzumfeld vorgesehen, gefolgt vom Start der Serienproduktion noch im selben Jahr. Richtig gehört: Wir reden von Anfang an von einer Serienproduktion von einer geplanten Produktionskapazität von bis zu 500 Systemen pro Monat. Drei hervorragende Partner in Deutschland, die uns von Anfang an tatkräftig unterstützten, ermöglichen uns das: die Strama Group, die HDAO Group und ACS.

Parallel dazu entwickeln wir das System kontinuierlich weiter, insbesondere im Bereich der Add-Ons und der Software. Ziel ist es – wie erwähnt –, laufend neue Drohnensignaturen zu integrieren und die Systeme über Updates aktuell zu halten.

Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Bereich künftig?
Eine zentrale Herausforderung ist die Dynamik der Drohnentechnologie. Die Entwicklung verläuft sehr schnell, wodurch auch Abwehrsysteme kontinuierlich angepasst werden müssen. Grundsätzlich bleibt es ein ständiges Wechselspiel zwischen Angriff und Abwehr. Deshalb ist es entscheidend, Systeme flexibel zu halten und regelmäßig zu aktualisieren. Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung ganzheitlicher Systeme, die auch Jamming und Netzwerferdrohnen ins Spiel bringen.

Fotocredits

© Riseport
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