Autonomer Kampfhubschrauber Thunder: Anduril zeigt in Farnborough einen unbemannten Kipprotor-Wingman
Autonomer Kampfhubschrauber als Begleiter für Apache & Co.: Mit Thunder will Anduril Hubschrauberbesatzungen aus den gefährlichsten Zonen heraushalten. Bewaffnung, Antrieb und Steuerung sind umrissen, abheben soll das System erstmals 2027.

Thunder ist ein autonomer Kampfhubschrauber der Gruppe 5, den der US-Rüstungskonzern Anduril Industries auf der Farnborough International Airshow 2026 vorgestellt hat. Vorgesehen ist, dass das unbemannte Kipprotorflugzeug künftig an der Seite bemannter Kampf- und Transporthubschrauber operiert; deren Schlagkraft und Überlebensfähigkeit sollen dadurch deutlich steigen.
Das Unternehmen begründet die Entwicklung mit dem tiefgreifenden Wandel moderner Gefechtsfelder. Weil sich Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View), Loitering Munitions und preiswerte Luftverteidigungssysteme immer stärker verbreiten, seien gerade klassische Kampfhubschrauber erheblich verwundbarer geworden. Gefährliche Missionen sollen deshalb künftig autonome Systeme übernehmen, damit Besatzungen den am stärksten bedrohten Bereichen fernbleiben.
Zuladung: bis zu zehn Hellfire-Raketen
Als Basis dient eine Plattform für Senkrechtstart und -landung (VTOL), die Anduril zusammen mit Archer Aviation entwickelt hat. Thunder verbindet so senkrechtes Starten und Landen mit der Reichweite eines Kipprotorflugzeugs. Für optimierte Reichweite, Effizienz und Geräuschsignatur sollen ein hybridelektrischer Antrieb und Rotoren mit variabler Drehzahl sorgen. Verlegt wird es wahlweise selbstständig über große Distanzen oder im Standardcontainer.
Große Flexibilität bietet die Bewaffnung. Abhängig vom Auftrag lassen sich unter anderem zehn Lenkflugkörper vom Typ Hellfire, JAGM oder Barracuda-100M, 16 Altius-600-Lenkdrohnen oder 76 ungelenkte Raketen im Kaliber 70 Millimeter mitführen; ebenso möglich sind elektronische Kampfsysteme, Wirkmittel zur Drohnenabwehr (Counter-UAS) oder Versorgungsgüter.
Autonomer Kampfhubschrauber als Wingman für den Apache
Kern des Konzepts ist die Rolle als autonomer Wingman an der Seite bemannter Hubschrauber. Ein einzelner Kampfhubschrauber soll von mehreren Thunder-Systemen begleitet werden, die seine Feuerkraft vervielfachen. Als Beispiel nennt Anduril drei Thunder-Drohnen mit einem AH-64 Apache: So lasse sich die verfügbare Bewaffnung einer Combat Aviation Brigade verdreifachen, ohne weitere Piloten den Gefahren des Gefechts auszusetzen.
Gesteuert wird Thunder von Lattice, der Missionssoftware des Herstellers. Sie koordiniert autonom Formationsflug, Hindernisvermeidung und Navigation ebenso wie das Zusammenwirken mit bemannten Luftfahrzeugen. Moderne Sensorik, künstliche Intelligenz und Datenverarbeitung an Bord sollen das System auch dann einsatzfähig halten, wenn der GPS-Empfang gestört oder die Kommunikation eingeschränkt ist.
Für 2027 ist der Erstflug geplant. Ziel von Anduril ist ein neuer Ansatz für den Gefechtseinsatz autonomer Luftfahrzeuge; vor allem soll die Rolle bemannter Kampfhubschrauber in Konflikten gestärkt werden, die zunehmend von Drohnen dominiert werden.
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