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Unmanned Systems / Aerial Drones

Drohnenträger: Türkei und China stehen kurz vor der Indienststellung ihrer ersten Schiffe

Ankara bereitet die „TCG Anadolu” auf eine Staffel Bayraktar TB3 vor, in einer chinesischen Werft liegt ein mutmaßlicher Drohnenträger. Dazu der Rückblick auf Pionier Schiebel und die Frage, wie verwundbar MALE-Drohnen sind.

Drone carriers: Turkey and China are close to commissioning their first ships
© US Navy 2nd Class Jackson Adkins

Mit der Türkei und China nehmen demnächst die ersten Länder einen Drohnenträger in Betrieb, und weitere dürften bald nachziehen. Der Hintergrund: In militärischen Operationen gewinnen Drohnen immer mehr an Bedeutung. Zahlreiche Armeen haben deshalb bereits eigene Drohneneinheiten aufgestellt – inzwischen erreicht das Thema auch die Seestreitkräfte.

Wiener Pionierarbeit von Schiebel

Schon seit Jahrzehnten setzen Militärschiffe immer häufiger Drohnen ein, um die Meeresgebiete in ihrer Umgebung zu überwachen. Der eigentliche Pionier, bis heute unangefochtener Platzhirsch der Branche, sitzt ausgerechnet in Wien: Schiebel. Dessen Camcopter S-100 entstand als Idee Mitte der 1990er-Jahre; gefertigt wird das unbemannte Fluggerät in Wiener Neustadt, unterwegs ist es heute auf allen Weltmeeren.

Das „fliegende Auge” aus Österreich kontrolliert beispielsweise Fischereirechte oder spürt Umweltsünden wie das Ablassen von Altöl auf See auf – deutlich umweltfreundlicher und günstiger als ein Hubschrauber oder gar ein Schiff. Dem bis zu 200 Kilogramm schweren unbemannten Hubschrauber genügt als Helipad ein kleines Flugdeck, das sich meist am Heck eines eher kleinen Schiffes, einer Fregatte oder Korvette befindet; operieren kann er aber auch von Landstützpunkten oder größeren Einheiten aus.

Die französische Marine etwa hat das System im Jahr 2019 in ihren amphibischen Helikopterträger Dixmude (Mistral Klasse) integriert und dafür qualifiziert. Und zusammen mit Thales beliefern die Österreicher inzwischen auch die britische Royal Navy mit ihren Fluggeräten.

Ankara stellt den ersten Drohnenträger

Den nächsten Schritt dürfte nun ein türkisches Schiff vergleichbarer Klasse in Kürze gehen: eine schiffsgestützte unbemannte Staffel aus Flächendrohnen. Im April des vergangenen Jahres hatte die Türkei mit dem amphibischen Mehrzweck-Angriffsschiff „TCG Anadolu” ihr bisher größtes Kriegsschiff in Dienst gestellt, das seitdem als Flaggschiff der türkischen Marine fungiert.

Geplant war das Schiff ursprünglich als Plattform für eine Staffel F-35B-Jagdflugzeuge von Lockheed Martin. Weil die Türkei aufgrund des Ankaufes des russischen Flugabwehrsystems S-400 aus dem F-35 Programm ausgeschlossen wurde, macht Ankara aus der Not eine Tugend: An Bord soll nun eine Staffel unbemannter Angriffsdrohnen aus heimischer Fertigung stationiert werden.

Die TB3 folgt auf eine erfolgreiche TB2

Dafür entwickelt der türkische Drohnenhersteller Baykar Technologies die Bayraktar TB3. Nach erfolgreichen und spektakulären Einsätzen seiner Bayraktar TB2-Drohnen – unter anderem in Libyen, im Kaukasus und in der Ukraine – gilt Baykar mittlerweile weltweit als anerkannte Kapazität der Branche.

Als „MALE-Drohne fürs kleine Budget” bezeichnet, hat die TB2 ihre Wirksamkeit vor allem gegen militärische Ziele unter Beweis gestellt – anders als ihr US-Gegenpart Predator oder die israelische Heron, die in erster Linie auf den Kampf gegen Terroristen und Rebellengruppen ausgerichtet sind. Rechercheplattform ORYX rechnet ihr bislang 884 zerstörte Waffensysteme zu: Kampfpanzer, Schützenpanzer, Artilleriesysteme und Raketenwerfer, Fliegerabwehr, Radargeräte, Flugzeuge, Hubschrauber und Schnellbote.

Bekannt ist, dass die TB3 von der TB2 abstammt und deren aerodynamisches Layout übernimmt. Neu ist an der Drohne dennoch alles: Sie hat mehr Leistung, ist schneller, fliegt höher und weiter und kann mehr Gewicht tragen. Angetrieben wird sie von einem 172 PS starken Turbodiesel des türkischen Triebwerksherstellers TEI. Eine Neuheit bei Drohnen der Klasse mittlere Flughöhe, lange Flugdauer (MALE) sind die einklappbaren Flügel der TB3: Damit lässt sich die Spannweite von immerhin 14 Metern auf ein Maß verringern, das für den Schiffsbetrieb praktisch ist.

Wie viel Erfahrung Baykar Technologies mit MALE-Drohnentechnik hat, belegt das sehr rasch absolvierte Testflugprogramm. In kaum zehn Monaten wurden 32 Stunden Flugdauer, 5.700 Kilometer Reichweite und 11.155 Meter Flughöhe nachgewiesen – für die MALE-Klasse durchwegs hervorragende Werte. Bereits angelaufen sind zudem die Testflüge über die „Sprungschanze”, über die die TB3 künftig vom Deck der „TCG Anadolu” starten wird.

Chinas Werft am Jangtsekiang

Die Türkei ist allerdings nicht das einzige Land mit einem Drohnenträger in Vorbereitung. Ein Airbus Aufklärungssatellit hat vor Kurzem ein Foto eines der jüngsten chinesischen Kriegsschiffe gemacht. Aufgenommen wurde es in der Jiangsu Dayang Marineschiffswerft am Jangtsekiang – vermutlich handelt es sich um Chinas ersten Drohnenträger.

Bekannt sind bisher nur die ungefähre Größe und die Tatsache, dass erste Fahrversuche laufen. Mit rund 100 Metern Länge, 28 Metern Breite und einer 16,5 Meter breiten Runway wäre das Schiff jedenfalls zu klein für einen Flugzeugträger, für Starts und Landungen von Drohnen reicht der Platz jedoch.

Anfang Mai feierte China außerdem die Eröffnung einer Drohnenfabrik der Chengdu Aerospace Corporation. Bis zu 200 MALE-Drohnen der Wing Loong (Yilong) Familie pro Jahr sollen in dem hochautomatisierten Werk entstehen. Während eine US-MALE der Type MQ-9 Reaper rund 30 Millionen Euro pro Stück kostet, wird für eine Wing Loong ein Preis von nur rund einer Million Euro genannt. Entsprechend groß ist inzwischen die Nachfrage – so betreibt etwa auch Nigeria bewaffnete Wing Long II.

MALE-Abwehr gewinnt an Gewicht

Wunderwaffen sind MALE-Drohnen allerdings nicht, wie sich nicht nur im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gezeigt hat. Nach ersten Erfolgen in der Schlacht um Kiew und um die Schlangeninsel schickt die Ukraine keine Bayraktar TB2 mehr ins Kampfgebiet.

The Houthi movement has published video of them shooting down an American MQ-9 Reaper drone with a surface-to-air missile, showing them using aerial reconnaissance drones of their own to track the American military hardware before taking it out of the sky. pic.twitter.com/rc3lKvlxFo

Russland wiederum hat seine vergleichbaren Systeme abgezogen, nachdem viele MALE-Drohnen der Type Forpost (eine Lizenzkopie der israelischen IAI Searcher) verloren gegangen waren. Ob MALE-Drohnen gegen ausgebaute Fliegerabwehrsysteme überleben können, bezweifeln mittlerweile beide Seiten, Russland wie die Ukraine. Andere Armeen haben zuletzt ähnliche Erfahrungen gemacht: Israel etwa verlor Anfang Juni binnen acht Tagen zwei MALE der Type Hermes-900 im Südlibanon, und auch die USA büßten im vergangenen Jahr mehrere MQ-9 Reaper ein.

Aufhalten dürften diese Rückschläge den Trend zu Drohnenträgern und zum wachsenden Einsatz solcher Drohnensysteme in den Marinen allerdings nicht. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass nach der Türkei und China bald auch andere Länder entsprechende Schiffe in Dienst stellen.

Fotocredits

© US Navy 2nd Class Jackson Adkins
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