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Unmanned Systems / Aerial Drones

FPV-Drohnen in der Ukraine: Doppelte Steuerung über Funk und Kabel soll mehr Treffer bringen

Genug Nachschub ist da, jetzt zählt die Trefferquote: Am Drohnenzug von Oberleutnant Tetyana Chornovol zeigt sich, wie FPV-Drohnen in der Ukraine mit hybrider Steuerung und KI-Modulen effizienter werden sollen – und was das kostet.

Ukraine: Multiple control of FPV drones increases the chance of being hit
© General Chereshnya

Die ukrainische Kriegsführung wird von neuen Entwicklungen bei FPV-Drohnen geprägt: Der Nachschub hat sich verbessert, hybride Steuerungen kommen hinzu, und KI-gestützte Zielverfahren heben die Effizienz spürbar. Wie sich dieser Wandel vollzieht, lässt sich am Werdegang von Tetyana Chornovol ablesen, die als Politikerin begann, heute als Drohnenpilotin fliegt und sich den neuen technologischen Anforderungen erfolgreich angepasst hat.

Dass Oberleutnant Tetyana Chornovol einmal als Pilotin von Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) arbeiten würde, war nicht vorgezeichnet. Begonnen hat sie als Journalistin; in den 2000er-Jahren wandte sie sich zunehmend dem Aktivismus zu – vor allem während des Euromaidan. Danach war sie Politikerin und Regierungsbeauftragte für Fragen der Antikorruptionspolitik. Den ukrainischen Streitkräften gehört sie seit 2022 als Soldatin an. Vor Kiew schoss sie als stellvertretende Kompaniekommandantin mit der ukrainischen Panzerabwehrlenkwaffe Skif/Stugna-P russische Panzer ab.

Ukraine: Mehrfachsteuerung von FPV-Drohnen erhöht Trefferchance
Anfang Jänner schrieb Tetyana Chornovol (links): „Zurück nach 12-tägigem Einsatz, dem ersten bei dem ich ausreichend mit Drohnen ausgestattet war.” · © Tetyana Chornovol via Facebook

Als keine Lenkwaffen mehr nachkamen, lernte sie das FPV-Fliegen selbst – in 300 Stunden am Simulator. 2024 bekam sie als Anfängerin täglich eine Drohne zugeteilt, mit der sie sowohl üben als auch Einsätze fliegen musste. Erfahrene Kampfbesatzungen erhielten zu jener Zeit zehn Drohnen pro Tag.

Geändert hat sich das auch durch die Haltung von Robert Brovdi, dem Kommandanten der „Unbemannten Systeme der Streitkräfte der Ukraine”. Sein Grundsatz lautet: Nicht die Piloten warten auf Drohnen, sondern die Drohnen auf die Piloten.

Mittlerweile werden FPV-Drohnen millionenfach nachgeliefert. Für ihre planmäßig 16 Teams zu je drei Mann bekommen die FPV-Drohnen-Kompanien rund 7.200 Stück pro Monat – Engpässe gibt es dabei nicht mehr.

Ein Drittel erfolgreicher Flüge reicht nicht

Ist der Nachschub gelöst, rückt die Effizenz des Waffensystems FPV-Drohne in den Vordergrund. Ein Resultat bringen derzeit im besten Fall etwa ein Drittel der Flüge. Bei funkgesteuerten Drohnen war die Funkverbindung oft instabil, häufig ausgelöst durch Störsysteme. Fällt das meist analoge Videosignal aus, haben die Piloten kein Bild mehr; reißt das digitale Steuersignal ab, lässt sich die Drohne nicht mehr lenken.

Als Antwort entstanden FPV-Drohnen, bei denen Video und Steuersignal über ein Glasfaserkabel laufen. Stören ließ sich das bislang nicht. Zudem können so viele FPV-Drohnen zugleich in der Luft sein, ohne sich die Kanäle gegenseitig zu blockieren. Die Schwachstelle der Kabeldrohne liegt allerdings in Kabelbrüchen – und die werden umso wahrscheinlicher, je länger das Kabel ist.

Ukraine: Mehrfachsteuerung von FPV-Drohnen erhöht Trefferchance
Eine 13 Zoll General Chereshnya OPTIX mit 25 Kilometer Kabel kostet rund 950 Euro. Mit diesem Drohnentyp wurde am 20. März ein russischer Ka-52 Alligator abgeschossen . · © General Chereshnya

Wie FPV-Drohnen zu Funk und Kabel kamen

Mit welcher Geschwindigkeit das ukrainische Drohnen-Ökosystem Verbesserungen an die Front bringt, zeigt aktuell der Drohnenzug von Tetyana Chornovol. Dessen Drohnen-Ingenieur Victor Trach konstruierte eine Doppelsteuerung, über die die FPV-Drohne nun sowohl per Funk als auch per Kabel verbunden ist. Deutlich höher wird damit die Chance, dass wenigstens eines der beiden Signale bestehen bleibt und das andere sich wieder fängt und nutzbar wird.

Chornovol führte Gespräche mit vielen Drohnen-Herstellern. Schließlich erkannte General Chereshnya das Potenzial dieser Technik und fertigte für den Zug die ersten Doppelsteuerungsdrohnen in 10 und 13 Zoll. Pro Drohne kommen 50 Euro hinzu, was die Gesamtkosten um rund fünf Prozent erhöht.

Wer vor allem in der Endphase des Zielanflugs trotz Kontrollverlust noch Wirkung erzielen will, kann außerdem auf KI-Module setzen. Die günstigsten davon liegen bei rund 125 bis etwa 260 Euro.

An die Stelle der herkömmlichen Drohnenkamera treten dabei KI-Leitsysteme. Haben sie einmal aufgeschalten, folgen sie Fahrzeugen und Menschen selbsttätig und liefern die nötigen Steuersignale, mit denen die Drohne bis zum Einschlag auf Kurs bleibt.

Das lenkt den Blick erneut auf die Funksteuerung: Bis zur Aufschaltung kann die Drohne hoch genug und weit außerhalb des Bereichs fliegen, in dem ein Zielfahrzeug Funk stört. Selbst bis zum Treffer zu steuern, bleibt zwar der Wunsch. Doch auch wenn die Funkverbindung abreißt, wächst die Chance, das Ziel noch zu treffen.

Fotocredits

© General Chereshnya · © Tetyana Chornovol via Facebook
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