Kampfdrohne Kizilelma: Baykar-UCAV bekämpft F-16 jenseits der Sichtweite im Test
Vor Sinop hat die türkische Stealth-Kampfdrohne Bayraktar Kizilelma per Gökdogan-Rakete einen Jet jenseits der Sichtweite bekämpft. Welche Rolle das UCAV künftig im GCAP-Programm spielen könnte – und was am Test offen bleibt.

Einen technologischen Meilenstein – für das eigene Programm wie für die Geschichte der Luftkriegsführung – hat die Kampfdrohne Bayraktar Kizilelma am 28. November erreicht. Vor der Küste von Sinop erfasste das von Baykar entwickelte, unbemannte türkische Stealth-Kampfflugzeug (UCAV) ein strahlgetriebenes Kampfflugzeug jenseits der Sichtweite (BVR) und traf es mit einer Luft-Luft-Rakete. Weltweit war das das erste Mal.
Ihren Namen verdankt die Kizilelma dem mythischen türkischen Ideal des „Roten Apfels”. Mit dem AESA-Radar Murad gelang es ihr, auf rund 30 Meilen (etwa 48 Kilometer) eine türkische F-16 zu erfassen und zu „locken”. Danach wurde das Luftziel simuliert neutralisiert – mit einem Gökdogan-BVR-Flugkörper, den Tübitak Sage entwickelt hat und der von einer Außenstation abgefeuert wurde.
Baykar sieht in dem Test einen weiteren Nachweis dafür, wie weit die türkische Luftfahrtindustrie technisch vorangekommen ist. Dank seines geringen Radarquerschnitts soll das UCAV gegnerische Flugzeuge deutlich früher entdecken, als diese die Kizilelma wahrnehmen können. Das Leitmotiv dazu lautet: „Sehen ohne gesehen zu werden, angreifen ohne getroffen zu werden.”
Über Sinop stießen fünf F-16-Kampfjets zur Bayraktar Kizilelma, die für den historischen Test vom 5. Stützpunkt in Merzifon aus gestartet waren. Gemeinsam mit diesen Maschinen flog die Kizilelma zuerst in Formation – eine Demonstration des künftigen Luftkampfkonzepts mit bemannt-unbemanntem Teaming (MUM-T).
Begleitet wurde die Formation außerdem von einer größeren Bayraktar-Akinci-UCAV mit zwei Turboprop-Triebwerken, die die historische Vorführung aus der Luft dokumentierte. Auch dieses unbemannte „Chase Plane” war eine Premiere.
Kampfdrohne als möglicher „Wingman“ für GCAP?
Gemeinsam mit Baykar hat Leonardo 2025 das Joint Venture LBA Systems gegründet. Dessen CEO Roberto Cingolani ließ durchblicken, dass die Kizilelma als möglicher CCA-Begleitjäger (Collaborative Combat Aircraft) für den künftigen GCAP-Stealthfighter von Großbritannien, Italien und Japan geprüft wird.
Schon auf der Paris Air Show hatte Cingolani erklärt, dass Italien als GCAP-Wingmann neben unbemannten Versionen von M-345 und M-346 auch die Kizilelma in Betracht ziehe. Viele Merkmale eines modernen Stealth-Jets bringt das UCAV nämlich mit: einen internen Waffenschacht, ein Triebwerk mit Nachbrenner, hohe Agilität und einen geringen Radarquerschnitt. Vorbereitet wird derzeit die Integration des Infrarotzielsystems Karat 100. An Bord sind bereits das AESA-Radar Murad 100-A und mit der Toygun 100 auch ein elektro-optisches Zielsystem.

Damit eignet sich das UCAV besonders für Aufgaben als Vorhut, Sensorträger, Unterstützer oder bewaffneter Begleitjäger in künftigen Verbundoperationen. Präzise Treffer bei Luft-Boden-Tests mit Tolun- und Teber-82-Munition hatte die Kizilelma schon zuvor erzielt. Nach dem erfolgreichen Einsatz der Gökdogan-BVR-Rakete hat das System nun auch seine Luft-Luft-Fähigkeit nachgewiesen – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum vollwertigen unbemannten Mehrzweckjäger.
Offen ist bisher, wie weit sich die Crew der Ziel-F-16 der Erfassung oder dem simulierten Abschuss entziehen durfte. Diese Frage stellt sich gerade wegen der prominenten Begleitformation und des klar demonstrativen Charakters des Tests.
Prominente Beobachter in den Cockpits
Mehrere Beobachter verfolgten die Premiere live aus der Luft. In den Cockpits von F-16-Kampfjets saßen der Luftwaffeninspekteur der türkischen Luftstreitkräfte (THK), General Ziya Cemal Kadıoğlu, der Kommandeur der Jagdverbände, General Rafet Dalkıran, Aselsan-Generaldirektor Ahmet Akyol und Baykar-Vorsitzender Selçuk Bayraktar (Schwiegersohn von Präsident Erdoğan). Den historischen Test erlebten sie damit unmittelbar mit.

Auf dem Boden war eine hochrangige Delegation dabei, unter anderem Kemal Topalömer als Direktor des Tübitak Sage-Instituts und Murat İkinci als Generaldirektor von Roketsan.
Baykar: Größter UAV-Hersteller der Welt treibt türkische Exporte
Nach Daten der Verteidigungsindustrieagentur SSB und der Türkischen Exportvereinigung TIM führt Baykar seit 2021 ohne Unterbrechung die türkischen Exporte der gesamten Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie an. In den Jahren 2023 und 2024 erhielt das Unternehmen branchenübergreifend den „Turkish Export Champions Award”.
2023 stammte ein Drittel aller Exporte der Branche allein von Baykar, 2024 war es ein Viertel der gesamten türkischen Verteidigungs- und Luftfahrtexporte. Das trug wesentlich dazu bei, dass die Türkei heute weltweit führend beim Export unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) ist.
Mit 37 Staaten hat Baykar als größter UAV-Hersteller der Welt Exportverträge geschlossen. In 36 davon ist die Bayraktar TB2 UCAV im Einsatz, in 16 die Bayraktar Akinci UCAV. Dazu kommt jetzt der Export von TB3, Kizilelma und weiteren Systemen – im Rahmen des Joint Ventures LBA Systems künftig auch aus Italien für Kunden aus EU oder NATO.
Nach eigener Darstellung hat Baykar seit der Gründung alle Projekte selbstständig umgesetzt. Seit dem Start von Forschung und Entwicklung für UAV im Jahr 2003 seien 83 Prozent der Einnahmen aus Exporten gekommen. 2023 summierten sie sich auf 1,55 Milliarden Euro – damit gehört Baykar zu den zehn größten Exportunternehmen der Türkei.
Der weltweite Erfolg hielt auch 2024 an: 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete Baykar im Export, das Exportvolumen erreichte wieder 1,55 Milliarden Euro.
Fotocredits
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