MQ-25 Stingray: Boeings unbemannter Tanker fliegt erstmals mit Betankungsbehälter
Die MQ-25 Stingray soll die F-18E/F der US-Marine von Tankeraufgaben befreien. Am 9. Dezember flog Boeings Prototyp T1 zum ersten Mal mit dem Schlauchtrommelbehälter von Cobham – gesteuert aus einer Bodenstation.

Mit dem Flug vom 9. Dezember ist die US-Marine ihrem Programm für eine voraus zu stationierende „Tankstellendrohne” ein großes Stück näher gerückt. Erstmals war Boeings T1-Prototyp der unbemannten MQ-25 Stingray dabei mit einem Schlauchtrommelbehälter des Herstellers Cobham unterwegs – einem 31-301 Model Buddy Store, montiert unter dem linken Flügel.
Zweieinhalb Stunden Testflug, gesteuert vom Boden
Über zweieinhalb Stunden lenkte ein Testpilot von Boeing das Gerät von einer Bodenstation am MidAmerica St. Louis Airport in Mascoutah/Illinois aus. Die Versuche sollen klären, ob Schlauch und Korb eventuell weiter ausgefahren beziehungsweise eingezogen werden müssen. Intern fasst das System 1.136 Liter. An ein Empfängerflugzeug pumpt es den Kraftstoff mit 833 Litern pro Minute, wobei am Korb wahlweise ein Druck von 30 oder 60 psi anliegt.







Hervorgegangen ist der aktuelle Entwurf aus einem Auftrag von 2018: Damals betraute die US-Marine Boeing mit der Entwicklung einer Tankerdrohne für den Einsatz von Flugzeugträgern, während General Atomics und Lockheed Martin, die sich ebenfalls dafür interessiert hatten, leer ausgingen. Hinter der Mission steht folgende Idee: Mittelfristig sollen die Stingrays in den Trägergeschwadern jene F-18E/F ablösen, die bislang die sogenannte „Buddy-Buddy”-Tankerrolle übernehmen – Maschinen wie Besatzungen würden so für Kampfeinsätze frei. Dave Bujold, bei Boeing Programmdirektor für die MQ-25, sagte dazu: „Die T1 heute samt der dahinter arbeitenden Hard- und vor allem Software als Tankflugzeug fliegen zu sehen, ist ein sichtbarer Hinweis auf die neuen Fähigkeiten die wir auf die Trägerdecks bringen”.
MQ-25: bis zu 70 Tanker ab 2024 angestrebt
Zum ersten Mal abgehoben hatte das System erst im September 2019, seither kamen rund 30 Flugstunden zusammen. Wertvolle Erfahrung mit dem (Deck-)Betrieb großer unbemannter Systeme hatte die US-Marine parallel dazu bereits 2013 gesammelt – mit der X-47B, die dutzendfach erfolgreich von Flugzeugträgern startete und auf ihnen landete. Dank elektro-optischer Sensoren soll das Muster zudem Aufklärung und Überwachung (ISR) leisten können. Die Marineführung hofft, ab 2024 bis zu 70 dieser Tankstellen auf die verschiedenen Trägergeschwader zu verteilen; unter Vertrag ist vorerst allerdings nur eine erste Testserie von sieben Stück. Die Drohne soll die vorhandene Flotte auf den Flugdecks entlasten und außerdem den Einsatzradius der „Carrier Wings” deutlich vergrößern.
Mit Blick auf die militärische Rivalität zwischen den USA und China, etwa im Südchinesischen Meer, ist das durchaus von Bedeutung – sie dürfte wohl auch unter einer Administration Biden weiter anhalten. Auf der anderen Seite sind große unbemannte Luftfahrzeugsysteme (UAS) in ihren Achterschleifen auf der „Rennbahn” relativ hilflos, noch stärker als die bemannten „Multiplikatoren” (Tanker, AWACS, SIGINT-Plattformen). Schutz müss(t)en ihnen dann Kampfflugzeuge bieten, die ihrerseits wiederum Tankressourcen binden.

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