USV: Kanonenboote ohne Besatzung
Peter Symonds de Montfort, Gründer von Sigmund Naval & Marine Ltd, konzipiert Unmanned Surface Vessels (USVs) für den maritimen Einsatz. Bald soll das erste Modell vom Stapel laufen.

Herr Symonds, wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Ich bin Industriedesigner und war früher auf Autos spezialisiert. Unter anderem habe ich für Mercedes und Ford gearbeitet. Später habe ich für Superyachten Interieur und Exterieur designt. Bald habe ich beschlossen, dass ich mehr Engineering als Design und Kunst machen möchte und habe einen Job als Naval Architect bei einer Rennbootfirma in Deutschland begonnen. Dieses Unternehmen hat auch einen Rennstall in der P1-Klasse, vergleichbar mit der Formel 1 auf dem Wasser. Hohe Geschwindigkeiten, Arbeiten mit leichten Kompositmaterialien, wie Epoxid-Sandwich-Konstruktion, welche übrigens „stealth” sind, versteht sich in diesem Bereich von selbst.
Mein Chef fragte mich eines Tages, ob ich Kontakte zum Militär hätte. Ich komme aus Hereford in England, wo fast jeder Verbindungen zu den Special Forces hat (lacht). Wir haben dann bald Aufträge für Spezialboote in Florida bekommen. Unsere Plattform war perfekt für Special Forces: stealth beziehungsweise minimale Radarsignatur, leicht und minimaler Tiefgang. Das ist für Spezialkräfte ideal: Boot aufs Wasser setzen und schnell von der Küste wegflitzen. Später bauten wir Protection-Boote für Energiefirmen im Mittleren Osten.

Warum haben Sie dann entschieden, eine eigene Firma mit Fokus auf unbemannte Schiffe, zu gründen?
Ich habe erkannt, dass es großes Potenzial hat. Das Wachstum der KI-Technologie hinsichtlich Navigation beflügelt den Einsatz von autonomen Systemen. Wenn kein Mensch an Bord sein muss, hat dies erhebliche Vorteile für die Konstruktion: Man kann das Gewicht optimal verteilen, benötigt keine Rettungsmittel, muss auf keine Sicherheitsvorschriften Rücksicht nehmen. Es bedarf beispielsweise nicht mal eines WCs. Man kann sich zu 100 Prozent auf das System konzentrieren, und damit die beste Lösung für Rumpf, Motor und Treibstoffverbrauch konstruieren. Unbemannte Schiffe sind daher schneller entwickelt, gebaut und deutlich günstiger.
Im Jahr 2025 habe ich meine Firma Sigmund gegründet, um mich ausschließlich auf die unbemannte Schifffahrt für Cargo und militärische Zwecke zu konzentrieren. Dazu habe ich weltweit einige Partner und Werften. Ich glaube, wir sind eine der ersten Firmen weltweit, die solche unbemannten Systeme anbietet.
Wie läuft der Planungs- und Konstruktionsvorgang eines unbemannten Schiffes ab?
Wir sind ein designführendes Unternehmen und entwickeln unsere Plattformen ausgehend von den zukünftigen Anforderungen an Leistungsfähigkeit, Missionsprofil und Nutzlastintegration, unter Berücksichtigung von Materialien sowie Skalierbarkeit. Der Prozess beginnt mit konzeptionellem Skizzieren und strukturiertem Brainstorming, angelehnt an bewährte Methoden aus dem Automobildesign. Anschließend erfolgt die Ausarbeitung der Rumpfarchitektur, die Auswahl geeigneter Antriebssysteme sowie die Integration und Anordnung aller technischen Systeme. Darauf aufbauend führen wir CFD-Analysen (Anmerkung: Strömungssimulation) durch, um die initialen Leistungsberechnungen zu verifizieren und zu optimieren.
In der nächsten Phase erstellen wir detaillierte Konstruktions- und Strukturzeichnungen, ergänzt durch hochwertige Visualisierungen und 3D-CAD-Modelle für Präsentationen und Videodarstellungen. Wir haben eine Kooperation mit der britischen Schiffsbaufirma Concept Marine Group, die fast auf der ganzen Welt Schiffe bauen kann. Ebenso schließt die Firma die Verträge mit den Verteidigungsministerien ab.
In Sachen Bewaffnung haben wir Kooperationen mit Aselsan und Leonardo. Sie verbauen dann Kanonen, ferngesteuerte Waffenstationen, Radare und Systeme zum Selbstschutz.
Woran arbeiten Sie gerade?
Wir bringen gerade ein Sieben-Meter-Aufklärungsboot auf den Markt, das nach dem Sommer fertig sein wird. Wir haben schon eine Demo für Griechenland vereinbart, nachdem wir uns mit dem Stabschef der griechischen Streitkräfte getroffen haben. Ebenso haben wir ein Programm mit den Niederlanden am Laufen. Den Motor für das Schiff beziehen wir von der österreichischen Firma Belassi.
Wie lassen sich Ihre unbemannten Schiffe einsetzen?
Wir bieten Plattformen für unterschiedliche Rollen: Kriegsmarine, Asset Protection, Überwachung und Spionage. Größere Katamarane kann man mit Torpedos bestücken. Und sie haben ein Deck für bis zu vier unbemannte Luftfahrzeuge. Sie sind quasi kleine Flugzeugträger.
Unbemannte Boote können einen Stealth-Korridor für Flotten aufbauen, in dem sie vorausfahren und das Radar stören, sodass weitere Schiffe unbemerkt folgen können. Von Leonardo lässt sich eine Plattform zur Abwehr unbemannter Flugobjekte, sowohl kinetisch, als auch elektromagnetisch) montieren. Ebenso eignen sich unsere Plattformen als Rettungsboote, um etwa abgestürzte Piloten aus dem Meer zu retten.
Wie schnell bewegen sich Ihre Boote und welche Reichweiten haben sie?
Das schon erwähnte Sieben-Meter-Aufklärungs-Boot hat einen V-Rumpf und schafft bis 70 Knoten, umgerechnet etwa 130 Stundenkilometer. Im Loitering-Modus kann es bis sechs Tage bei sechs Knoten, also rund zwölf Stundenkilometer, unterwegs sein. Das ist ideal für Staaten mit vielen Inseln, wie etwa Griechenland.
Weiters entwickeln wir noch ein Elf-Meter Wingman-Boot mit dem Modellnamen Viper. Sie begleiten und schützen Flotten, lassen sich ebenso für die U-Boot-Bekämpfung als auch für logistische Zwecke einsetzen. Sie haben kleine 70-Millimeter-Raketen an Bord sowie einen Helipad und einen zusätzlichen Treibstofftank mit.
Ebenso möchten wir auch einen 15-Meter Trimaran namens Triraptor anbieten, der nicht nur völlig stealth ist, sondern auch eine umfangreiche Bewaffnung und Sensorik zulässt; etwa eine ferngesteuerte Waffenstation. Seine vier 350 PS-Diesel-Außenbord-Motoren sind schnell austauschbar und ermöglichen eine einfache Wartung. Er schafft 70 Knoten und rund 700 nautische Meilen, das sind rund 1.300 Kilometer, Reichweite. Möglich sind auch große Katamarane mit 20 bis 29 Metern Länge, die an Bord Platz für drei mittelgroße unbemannte Helikopter bieten.
Sind schon unbemannte Schiffe im Realeinsatz?
Ein NATO-Land hat seit 2022 in seiner Kriegsmarine ein unbemanntes Schiff, welches kein Prototyp mehr ist. Das Marlin USV, entwickelt von der türkischen Sefine Werft in Zusammenarbeit mit Aselsan, ist ein rund 15 Meter langes, modular ausgelegtes unbemanntes Überwassersystem für Marineoperationen. Es vereint autonome Navigation mit flexibler Nutzlastintegration und kann für Missionen wie Aufklärung, Überwachung, elektronische Kampfführung, Überwasserkampf und Minenabwehr eingesetzt werden.
Das System wurde im Jänner 2024 in Dienst gestellt und befindet sich damit seit etwa zwei Jahren im operativen Einsatz. Es gilt als ein modernes Referenzbeispiel für vernetzte, mehrrollenfähige USV-Plattformen, befindet sich jedoch noch in einer frühen Phase der Flottenreife.
Fotocredits
© Peter Symonds de MontfortWeiterlesen

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