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Industry News / Aerial Drones

Interview mit Primoco-Gründer Ladislav Semetkovský

Unsere fünf Fragen gehen diesmal an Ladislav Semetkovský, den Gründer des tschechischen Unternehmens Primoco UAV SE, das seit 2015 zivile und militärische unbemannte Fluggeräte des Typs One 150 für autonome Flüge produziert. Welche Österreich-Tangente es gibt, lesen Sie hier.

Primoco UAV founder Ladislav Semetkovský
© Primoco

Herr Semetkovský, könnten Sie bitte kurz Primoco UAV vorstellen?
Das tschechische Unternehmen Primoco UAV SE entwickelt und produziert seit 2015 zivile und militärische unbemannte Fluggeräte des Typs One 150 für autonome Flüge nach programmierten Flugplänen. Die Hauptmerkmale des Fluggeräts sind seine Abmessungen, das maximale Startgewicht von 150 Kilogramm, eine Flugdauer von bis zu 15 Stunden (je nach Ausstattung), eine Reisegeschwindigkeit von 120 km/h, eine Nutzlast von bis zu 30 Kilogramm sowie vollautomatische Start- und Landevorgänge. Das Primoco One 150 verfügt über die zivile Betriebsgenehmigung EASA LUC SAIL III und die militärische Zertifizierung nach dem Standard NATO STANAG 4703. Das Unternehmen fokussiert sich auf zivile und militärische Luftfahrtanwendungen, insbesondere in den Bereichen Aufklärung, Energiewirtschaft, Grenz- und Küstensicherung sowie im Aufgabenbereich der Nachrichtendienste. Über 200 bisher produzierte Primoco-Fluggeräte befinden sich aktuell in 15 Ländern auf vier Kontinenten im Einsatz – von Deutschland bis Malaysia. Primoco UAV ist ein börsennotiertes Unternehmen an der Prager Börse im Segment Prime Market.

The Primoco One 150 drone is designed for demanding civil and military missions
Das Primoco One 150 UAV kommt mit einem maximalen Startgewicht von 150 Kilogramm daher. · © Primoco

Mit Ihrem Produkt, dem One 150, ist es Ihnen gerade gelungen, sowohl die NATO- als auch die EASA-Zertifizierung zu erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Was steht hinter diesem Erfolg?
Ich danke Ihnen. Ein Team von fast 40 Ingenieuren, Konstrukteuren, Prüfingenieuren und Piloten arbeitete fünf Jahre lang daran, den Nachweis zu erbringen, dass unser Fluggerät die höchsten Anforderungen für den gemeinsamen Luftraum mit bemannten Militärflugzeugen und anderen zertifizierten UAV höherer Kategorien erfüllt. Die Zertifizierung erforderte 200 Überprüfungen, mehr als 170 Testflüge und etwa 50 Bodenprüfungen des unbemannten Fluggeräts. Der Umfang der Dokumentation – 28.000 Seiten, 500 Stunden Videoaufzeichnungen und insgesamt 123 GB Daten – verdeutlicht die hohen Anforderungen für dieses Zertifikat und unseren dadurch gewonnenen Wettbewerbsvorteil.

Generell gefragt: Was ist das Besondere am Primoco-System?
Das Primoco One 150 ist außergewöhnlich, was die Zertifizierung betrifft: Es ist wie angesprochen das erste System weltweit, das nach fünf Jahren Arbeit die militärische NATO-STANAG-4703-Zertifizierung erhalten hat – und zugleich das erste weltweit mit der zivilen EASA-LUC-2.5-SAIL-III-Zertifizierung. Diese Betriebserlaubnis der Zivilluftfahrtbehörde ermöglicht Einsätze über besiedelten Gebieten mit einer Bevölkerungsdichte von bis zu 5.000 Personen pro Quadratkilometer, sofern definierte Maßnahmen zur Risikominderung eingehalten werden. Zum Vergleich: Prag weist eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 2.800 Personen pro Quadratkilometer auf. Wir hatten bereits Einsätze im Irak und in der Ukraine. Wichtig ist auch: Der One 150 enthält keine amerikanischen oder israelischen Komponenten – er wird vollständig von Primoco UAV hergestellt. Bei den Sensoren arbeiten wir überwiegend mit europäischen Zulieferern zusammen, auch aus Deutschland und Österreich.

Wo sehen Sie das Potenzial für weitere Entwicklungen?
Ich kann verraten, dass wir im Rahmen unserer Entwicklung intensiv mit Airbus Defence im Bereich der Künstlichen Intelligenz zusammenarbeiten.

Schauen Sie auch auf Österreich – und auf Drohnenaufträge hier?
Ja. Die Primoco One 150 fliegt wie erwähnt mittlerweile in 15 Ländern auf vier Kontinenten, wobei die EU-Länder für uns eine Priorität darstellen. Ich kann verraten, dass wir auf dem europäischen Kontinent regelmäßig fliegen – eben in der Ukraine, aber auch in Deutschland, in Dänemark, in den Niederlanden, in Spanien und in der Slowakei.

Fotocredits

© Primoco
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