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Industry News / Aerial Drones

PR-Direktorin von Dronamics im Gespräch

Das bulgarische Unternehmen Dronamics zählt als weltweit erste Fluggesellschaft, die Frachtdrohnen herstellt, zu den bekanntesten Herstellern der Branche. Zudem hat Dronamics als erste Unternehmen eine Betriebsgenehmigung für den Einsatz von Frachtdrohnen über große Entfernungen innerhalb der Europäischen Union erhalten. Severina Grozeva Patrone, Global Communications und PR-Direktorin bei Dronamics, sprach im Interview über die Entwicklung des Unternehmens und die kürzlich erfolgte Ausweitung des Portfolios auf die Verteidigungsbranche.

PR-Direktorin von Dronamics im Gespräch
© Dronamics

Dronamics hat von der IATA (International Air Transport Association) und der ICAO (International Civil Aviation Organisation) offizielle Kennungen erhalten und ist neben den großen traditionellen globalen Fluggesellschaften offiziell anerkannt. Gegründet zu einer Zeit, als Drohnen und Drohnentechnologie kaum über das Stadium der konzeptionellen Analyse hinaus waren, führte Dronamics als erstes Unternehmen eine Reihe neuer Innovationen ein, wodurch es die Logistik revolutionieren und eine Reihe technologischer Meilensteine erreichen konnte.

PR-Direktorin von Dronamics im Gespräch
Severina Grozeva Patrone ist Global Communications und PR-Direktorin bei Dronamics. Mit Militär Aktuell sprach sie über das Unternehmen. · © Dronamics

Vor kurzem beschloss das bulgarische Unternehmen, von einer ausschließlich auf den zivilen und Frachtbereich ausgerichteten Produktion auf eine Dual-Use-Produktion für zivile und militärische Zwecke umzustellen und ebnete damit den Weg für eine Diversifizierung der Produktion und die Expansion in den militärischen Beschaffungsmarkt.

In welchem Jahr beginnt die Geschichte von Dronamics – und wer steht dahinter?
Dronamics wurde 2014 von den Brüdern Rangelov – Svilen und Konstantin, einem Unternehmer und einem Luft- und Raumfahrtingenieur – gegründet. Beide Brüder absolvierten ihr Studium im Ausland und kehrten in ihre Heimat Bulgarien zurück, um das Unternehmen zu gründen – mit dem Ziel, ein zentrales Problem zu lösen: die Verbesserung der logistischen Anbindung abgelegener und unterversorgter Orte durch Langstrecken-Drohnen. Derzeit werden weltweit aus Kostengründen nur etwa ein Prozent der Güter auf dem Luftweg transportiert. Auch eine schlechte Infrastruktur und sogar geografische Gegebenheiten stellen oft Hindernisse dar.

Die Brüder machten sich daran, ein robustes Arbeitsflugzeug zu entwickeln, das dieses Problem lösen kann, indem es eine nennenswerte Nutzlast (bis zu 350 Kilogramm oder 3,5 Kubikmeter, in Anlehnung an die Kapazität eines kleinen Lieferwagens) über eine nennenswerte Reichweite (bis zu 2.500 Kilometer, die Entfernung quer durch den größten Teil Europas, von Hongkong nach Osaka oder von einem zentralen Standort aus in alle 48 US-Bundesstaaten auf dem Festland) transportiert. Das Ergebnis ist die „Black Swan”, das Flaggschiff unter den Flugzeugen. Als „Lieferwagen der Lüfte” entwickelt, ist die Black Swan ein Beispiel für ein pragmatisches, von Grund auf neu konzipiertes Luft- und Raumfahrtprogramm, das vollständig in Europa entwickelt wurde. Sie ist derzeit die einzige in der EU hergestellte strategische MALE-Drohne (Mid-Altitude, Long-Endurance), die für Logistik-, Verteidigungs- und Katastrophenschutzeinsätze eingesetzt werden kann.

Öffentlichen Informationen zufolge hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung bis heuer auf die Produktion von Drohnen für den zivilen Einsatz konzentriert. Welche Rolle spielte dieser Drohnenmarkt – auch in Bulgarien – in den ersten Betriebsjahren des Unternehmens?
Als wir das Unternehmen gründeten, konzentrierte sich der Drohnenmarkt auf Quadcopter-Drohnen für die Zustellung einzelner Pakete, während der Markt für fortschrittliche Luftmobilität auf elektrische Drehflügler für Passagiere setzte, auch bekannt als Lufttaxis. Trotz dieser Trends hatten wir eine klare Vision: Ein UAS der nächsten Generation musste die zentralen Herausforderungen in Bezug auf Reichweite, Nutzlast und Kosten lösen. Die frühen Konstruktionsentscheidungen basierten darauf, diese „heilige Dreifaltigkeit” zu erreichen. Der ursprüngliche Fokus auf den zivilen Logistiksektor bedeutete, für den kostenbewusstesten Kunden – die Fracht – zu entwerfen und zu optimieren. Dies führte zu pragmatischen Entscheidungen wie der Optimierung der Reichweite durch ein Starrflügel- und aerodynamisches Design, was zu einem geringen Treibstoffverbrauch führte, sowie zum Einsatz eines bekannten Flugzeugtriebwerks, das eine Wartung nahezu überall ermöglicht und die Landung auf kurzen Landebahnen erlaubt, um die vorhandene Infrastruktur nutzen zu können.

PR-Direktorin von Dronamics im Gespräch
Der Black Swan hat eine Spannweite von 16 Metern. · © Dronamics

Dieser scharfe Fokus auf Nutzlast, Reichweite und Kosteneffizienz führte zu einem Flugzeug, das den Betrieb und die Ergebnisse bei einer Vielzahl anderer Einsätze erheblich verbessern kann. Was zivile Anwendungen angeht, arbeiten wir neben unseren Partnerschaften im Logistikbereich auch mit Unternehmen zusammen, die weltweit führend in den Bereichen Luftvermessung und Exploration natürlicher Ressourcen sind.

Heuer beschloss Dronamics dann, sein Produktionsspektrum auf den Verteidigungssektor auszuweiten. Hatten Sie eine solche Neuausrichtung bereits bei der Gründung des Unternehmens im Blick beziehungsweise was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Unser Unternehmen ist geprägt von der Kindheit unserer Gründer im Bulgarien der 1990er-Jahre, als der Versand für die Bevölkerung zu einer zusätzlichen Belastung geworden war – fast alles zu beschaffen dauerte länger und kostete mehr. Ähnlich verhält es sich mit der Verteidigung: Auch hier spielt die geografische Lage eine Rolle. An der Ostflanke Europas zu liegen bedeutet, dass man anders über Verteidigung nachdenkt. Die Signale der Europäischen Union, dass sie bereit ist, mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit und Verteidigung zu übernehmen, haben drastisch zugenommen, ebenso wie das Bestreben nach souveräner Technologie, die nicht von einem Land in Übersee nach Belieben abgeschaltet werden kann. Dabei spielen wir eine Rolle. Unser Black Swan ist das einzige einsatzbereite MALE-UAS, das zur Gänze in Europa hergestellt wird und mit demselben Fluggerät Logistik-, Katastrophenschutz- und Verteidigungsmissionen durchführen kann.

Unser „Black Cygnet”, ein ferngesteuertes Fluggerät, das etwa ein Viertel so groß ist wie der Black Swan, eignet sich ebenfalls für Verteidigungs- und öffentliche Sicherheitsaufgaben, wie beispielsweise die Überwachung und Frühwarnung bei Waldbränden, Grenzpatrouillen sowie Such- und Rettungsaktionen. Das Konzept der europäischen Drohnenmauer hat zusammen mit verschiedenen anderen Initiativen, die darauf abzielen, Innovationen durch die Förderung von Dual-Use-Technologie zu beschleunigen, gezeigt, wie entscheidend die Souveränität in der Luft- und Raumfahrt für die europäische Sicherheit ist.

PR-Direktorin von Dronamics im Gespräch
Erst vor wenigen Monaten wagte Dronamics den Schritt hin zu einer Dual-Use-Produktion für den zivilen und den militärischen Bereich. · © defencefinancemonitor.com

Sie haben den Black Swan bereits einige Male erwähnt. Worin unterscheidet sich nun die Variante für den Verteidigungssektor im Vergleich zu der zivilen Version? 
„Detect & Defend” baut auf der erprobten Black Swan-Plattform auf, die für schwere Nutzlasten ausgelegt ist. Das bedeutet, dass auf einer bestehenden, erprobten und nutzungsunabhängigen Architektur aufgebaut wird, wobei für die Integration modularer Systeme – Sensoren und Radare – nur minimale Anpassungen erforderlich sind. Daher ist der Black Swan in der Lage, eine Reihe von Missionen durchzuführen: Logistik in umkämpften Gebieten, AEW (Luftfrühwarnung), ISTAR (Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung, Aufklärung), UAS-Abwehr, Kartierung sowie Such- und Rettungsaktionen.

Unsere erste AEW-Lösung wird gemeinsam mit dem Sensor-Marktführer Hensoldt entwickelt. Wir haben den „Detect & Defend Black Swan” im vergangenen Juni gemeinsam auf der internationalen Verteidigungs- und Sicherheitsmesse „Hemus” in Bulgarien vorgestellt. Er integriert den ARGOS-15-Sensor von Hensoldt sowie deren luftgestütztes Synthetic-Aperture-Radar (SAR) „PrecISR 1400” und ermöglicht damit ein breites Spektrum an AEW-Einsätzen. Demonstrationen werden in den kommenden Monaten folgen.

Ziehen Sie Kooperationspartnerschaften mit Unternehmen in der Ukraine oder in Rumänien in Betracht, um neue Systeme und Plattformen zu erweitern und weiterzuentwickeln?
Wir arbeiten bereits daran, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeiten zu leisten. Mit einer vielseitigen Plattform und Technologie, die sich an reale operative Anforderungen anpassen lässt, sind wir gut aufgestellt, um neue Anforderungen in diesem Sektor zu erfüllen.

Fotocredits

© Dronamics · © defencefinancemonitor.com
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