Abfangdrohne Skyron soll profitieren: Quantum Systems fliegt mit Apex Recordhunter 777 km/h
Auf einem Truppenübungsgelände in der Mitte Deutschlands knackt der Apex Recordhunter die 777 km/h, doch der Flug in Gegenrichtung scheitert. Quantum Systems geht es um mehr als einen Weltrekord: Das Wissen soll in eine schnellere Abfangdrohne fließen.

Schauplatz ist ein Truppenübungsgelände in der Mitte Deutschlands. Dort will Quantum Systems, Drohnenhersteller aus Deutschland, einen neuen Weltrekord für batterieelektrisches Fliegen aufstellen – mit Blick auf die nächste Generation von Abfangdrohnen, allen voran die Abfangdrohne Skyron.
777 km/h, aber noch kein offizieller Rekord
Der Versuch glückt: 777 km/h erreicht Quantum Systems mit dem Fluggerät Apex Recordhunter. Bis zum offiziell bestätigten Weltrekord fehlt jedoch ein gelungener Flug in die Gegenrichtung, denn beim zweiten Anlauf gab es technische Probleme.

Robert Gardemin, Pilot des Apex Recordhunter und Ingenieur in der Innovationseinheit N3XT von Quantum Systems, sagt: „Wir sind sehr stolz”. Der bisherige Rekord lag nach seinen Worten bei 661 km/h. Ausloten will das Unternehmen mit dem neuen Rekord, wo die Grenzen einer Quadrocopter-Konstruktion in X-Wing-Konfiguration liegen. Es geht dabei nicht nur darum, wer am schnellsten fliegt, sondern um die Entwicklung schnellerer Abfangdrohnen.
Antwort auf Geran 5 mit Jet-Antrieb
Hintergrund ist die Lage in der Ukraine: Dort nimmt die Bedrohung durch schnellere Angriffsdrohnen zu, etwa durch die Geran 5, die mit Jet-Antrieb bis zu rund 600 km/h erreicht. Konventionelle Drohnen tun sich deshalb immer schwerer, solche Ziele abzufangen. Gardemin erklärt: „Hiermit können wir sicherstellen, dass wir weiterhin Technologie haben, um immer schneller und immer performanter zu fliegen, um auch zukünftigen Gefahren entgegenzuwirken”. Profitieren soll von den Ergebnissen des Rekordprojekts in erster Linie die Systemfamilie Skyron.

Während des schnellen Flugs für den Rekordversuch hielt sich der Apex Recordhunter durchgehend auf etwa 50 Meter Höhe. Verifiziert hat den Weltrekord vor Ort droneworldrecords.org: Ausgewertet wurden die GPS-Geschwindigkeitsdaten, abgeglichen mit den Aufzeichnungen der Blackbox an Bord der Drohne.
Aerodynamik, Elektronik, Struktur, Batterien – und der Pilot
Was macht solche Geschwindigkeiten möglich? Gardemin nennt an erster Stelle die Strömung: „Aerodynamik ist auf jeden Fall die dominierende Kraft, ganz klar”. Auf einen einzigen Bereich lasse sich die Leistung aber nicht zurückführen: „Alles kommt zusammen über Aerodynamik, Elektronik, Struktur, Batterien. Es muss einfach in perfekter Harmonie zusammenspielen.”
Gefordert ist außer der Konstruktion auch der Pilot. Er hat die Bremspunkte zu treffen, das Tempo wieder zu verringern und die Drohne sicher im Netz zu landen. Redundanzen hat das System laut Gardemin teilweise, teilweise fehlen sie.

Zu Akkuleistung, Motoren oder Gewicht macht Gardemin keine öffentlichen Angaben. Seine Begründung: „Das ist Technologie, die haben wir entwickelt und die wollen wir natürlich jetzt auch in zukünftigen Produkten für uns behalten”. Vor dem Versuch kühlte das Team die Motoren mit Trockeneis vor, während die Batterie vorgeheizt wurde – das Temperaturmanagement trägt zur Leistungssteigerung bei.

Vom teuren Rekordgerät zur günstigen Abfangdrohne
Persönlich vor Ort war beim Weltrekordversuch Florian Seibel, Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Quantum Systems. Wie groß der Unterschied zwischen dem aufwendigen Rekordgerät und einer günstigeren Lösung zum Abfangen ist, machte er vor Journalisten an einer Größenordnung fest, vergleichbar mit 50.000 gegenüber 5.000 Euro. Im Demonstrator stecken lasergesinterte Teile aus Aluminium, die danach poliert werden. Seibel sagt: „Da kommt es auf jedes Gramm an. Wir haben es mit einer Formel-1-Drohne zu tun”.

Ziel der Entwicklungsarbeit ist trotzdem eine spätere Massenfertigung zu geringen Kosten. Das Wissen soll übertragen werden, damit künftig günstigere und zugleich schnellere Abfangdrohnen entstehen. Bei der billigeren Bauweise müssen dann zum Beispiel Spritzgussteile aus Kunststoff genügen. Seibel fügt hinzu: „Davon könnte man aber 100.000 pro Monat herstellen”. Am Ende zählt das Verhältnis der Kosten von Angriff und Abwehr. Mehr als 100.000 Euro setzt Seibel für eine Geran 5 an; Abwehrmittel zu einem Zehntel davon hält er wirtschaftlich für eine sinnvolle Größenordnung.
Neuer Antrieb soll Skyron um 200 km/h beschleunigen
Den nächsten Schritt sieht Seibel darin, den Antrieb aus dem Rekordprojekt in die hauseigene Abfangdrohne Skyron einzubauen. Skyron schafft derzeit bis 400 km/h, eine schnellere Variante mit etwa 600 km/h wird gerade entwickelt.

Zugleich ist der Rekordversuch ein Mittel im Personalmarketing: Seibel hofft, so Ingenieure für Quantum Systems zu gewinnen. „Ein öffentlichkeitswirksamer Versuch zeigt, welche technische Leistung eine kleine Firma aus München in der Lage ist, zu erbringen. Das zieht hoffentlich weitere Talente an.”
Fotocredits
© Quantum Systems · © Stefan TeschWeiterlesen

Loitering Munition Virtus von Stark: Panzerbrigade 45 „Litauen“ erprobt das System bei „Freedom Shield 2026“

Drohnenstationen für die Seeüberwachung: Rift beginnt Tests vor der französischen Küste

Seedrohnen für die Ostsee: Schweden kauft Überwachung von Saildrone als Dienstleistung

Seedrohnen: Eviden stellt mit SMX einen elektromagnetischen Navigationssensor vor

