Drohnenpiloten aus der Ukraine setzen US-Panzerbrigade bei Großübung in Hohenfels schwer zu
Bei „Combined Resolve 26-07“ gingen in den ersten drei Tagen rund 70 Prozent der simulierten Verluste einer US-Panzerbrigade auf ukrainische Drohnenpiloten zurück. Die Brigade passte ihre Taktik an und griff am Ende selbst mit mehr als 700 Drohnen an.

Drei Tage, 70 Prozent Verluste: Ukrainische Drohnenspezialisten haben einer amerikanischen Panzerbrigade bei einer Militärübung in Deutschland schwere simulierte Verluste beigebracht. Die US-Soldaten lernten allerdings rasch, stellten ihre Taktik um und starteten zuletzt mit über 700 eigenen Drohnen einen Gegenangriff. Vergleichbares hatten NATO-Truppen kurz zuvor auch bei Übungen in Schweden, Estland und Portugal erlebt.
Schauplatz war im Frühjahr 2026 der Truppenübungsplatz Hohenfels in Bayern. Bei „Combined Resolve 26-07” stand das 3rd Armored Brigade Combat Team der 1st Cavalry Division – bekannt als „Greywolf” – einem simulierten Gegner gegenüber. Verstärkt wurde dieser durch Spezialisten des ukrainischen 412. Regiments der Unbemannten Streitkräfte, die vor allem unter dem Namen „Nemesis” bekannt sind. Die Übung machte deutlich, wie angreifbar auch schwer gepanzerte Verbände für moderne Drohnen sind.
Ihre Erfahrungen aus dem Krieg gegen Russland setzten die Ukrainer direkt in der Übung um, und die amerikanischen Soldaten bekamen die Folgen drastisch zu spüren. Auf Drohnen entfielen in den ersten drei Tagen rund 70 Prozent der simulierten Verluste – entweder durch direkte Angriffe oder weil sie Ziele aufklärten, die danach die Artillerie bekämpfte.
Mehr als 750 Mal nahm die gegnerische Seite im Verlauf der etwa zehntägigen Übung mit Drohnen Kontakt auf.

Veröffentlicht wurden die Zahlen in einem Beitrag im Fachmagazin Military Review der US Army. Brigadechef Oberst Michael Ziegelhofer und sechs weitere Offiziere beschreiben darin, was sie erlebt und welche Lehren sie daraus gezogen haben.
Angepasste Gefechtsführung senkt die Verluste
Auffällig ist laut dem Bericht jedoch das Tempo, mit dem die amerikanische Brigade reagierte. Schon am dritten Tag der Übung fiel der Anteil der durch Drohnen verursachten Verluste unter 30 Prozent, obwohl der Gegner seine Drohnenaktivitäten nicht zurückfuhr. Ausschlaggebend dafür war weniger neue Technik, sondern vielmehr eine konsequent angepasste Gefechtsführung.
Zur Verfügung standen der Brigade zwar elektronische Systeme zur Drohnenabwehr. Diese störten die Steuerverbindungen und konnten so Schutzzonen von bis zu zwei Kilometern Durchmesser schaffen. Betrieben werden mussten sie jedoch stationär, beim Vorrücken wurden sie Schritt für Schritt verlegt – gerade in der Bewegung taten sich dadurch gefährliche Lücken auf. Gegen Drohnen mit Glasfasersteuerung blieben die Störmaßnahmen zudem weitgehend ohne Wirkung.
Für einen Großteil der Brigade kam es deshalb auf klassische militärische Grundsätze an: Tarnung und Deckung, aufgelockerte Kräfte, kleinere Marschrouten und schnelle Stellungswechsel. Nach Schätzung der Autoren beruhen rund 60 Prozent einer erfolgreichen Drohnenabwehr auf Brigadeebene auf Gefechtsdisziplin, taktischen Verfahren und soldatischem Handwerk.
Ohne Preis blieben die Anpassungen nicht. Damit ihre elektronische Signatur kleiner wurde, schalteten die Besatzungen etwa das Blue Force Tracking ab, funkten weniger und verzichteten mitunter sogar auf Satellitenverbindungen über Starshield.
Unter Druck geriet ebenso die Logistik: Gegnerische Drohnen überwachten und bekämpften gezielt die Nachschubwege, sodass die Versorgung der Brigade doppelt so viel Zeit in Anspruch nahm wie ursprünglich vorgesehen.
Gegenangriff mit mehr als 700 Drohnen
Im anschließenden Angriff setzte nun die US-Brigade ihrerseits in großem Umfang auf unbemannte Systeme. Unterstützt wurde sie vom 3rd Battalion des 504th Parachute Infantry Regiment, das damals als experimenteller Drohnenverband diente. Auf den verschiedenen Führungsebenen vom Zug bis zur Brigade waren insgesamt über 700 Drohnen im Einsatz.
Mithilfe von Relaisdrohnen kamen fast alle Fluggeräte des Bataillons auf Reichweiten von 25 bis 40 Kilometern. So konnte praktisch das ganze, rund 14 mal 27 Kilometer große Übungsgelände abgedeckt werden.
Zunächst aber schuf die Masse an Drohnen neue Schwierigkeiten. Ausgelegt waren die Führungsstrukturen für deutlich weniger Sensoren. In der Operationszentrale führte die Flut an Informationen zur Überlastung, und die Koordination des Luftraums kam bei so vielen gleichzeitig fliegenden Drohnen nicht mehr mit. Phasenweise wusste der Brigadestab nicht einmal vollständig, wie viele eigene Drohnen gerade in der Luft waren.

Aufträge statt Mikromanagement
Gelöst wurde das Problem, indem die Drohneneinheiten mehr Eigenständigkeit erhielten. Statt jedes einzelne Fluggerät von zentraler Stelle aus zu führen, bekamen die Verbände eindeutige Aufträge und Prioritäten. In diesem Rahmen durften sie Ziele selbstständig aufklären und bekämpfen.
Vereinfacht wurde außerdem die Abstimmung mit der Artillerie. Eine koordinierende Feuerlinie schob die Brigade nach vorne; jenseits davon durften Drohnen und Artillerie Ziele ohne weitere Freigaben bekämpfen. Höchste Priorität hatten gegnerische Drohnenkontrollstationen. Einen Teil der Drohnenmunition behielt die Brigade zudem für die entscheidende Angriffsphase in Reserve.
Bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge wurden vor allem durch verschiedene Flughöhen voneinander getrennt. Kampfhubschrauber und medizinische Evakuierungsflüge erhielten eigene Korridore. Zum Abschluss der Übung brach die Brigade in dicht bewaldetem Gelände gleichzeitig an zwei Stellen durch, die etwa sechs Kilometer auseinanderlagen.
Wo der Angriffsschwerpunkt lag, konnte der Gegner nach Angaben der beteiligten US-Offiziere nicht erkennen. Beide Durchbrüche waren erfolgreich, die gegnerische Reserve war schon ausgeschaltet worden, bevor sie zum Einsatz kam.
Was die ukrainischen Drohnenpiloten der US Army mitgeben
Auch US-Kompaniechef Allan Watson beschrieb in einem Beitrag für Task & Purpose, welchen Eindruck die ukrainischen Drohnenspezialisten bei ihm hinterlassen hatten.
Als seine Kompanie durch das einzige Tor auf den Truppenübungsplatz einfuhr, waren laut Watson schon Drohnen der ukrainischen Einheit über den amerikanischen Fahrzeugen in der Luft. Eindrucksvoll hätten die Ukrainer gezeigt, wie günstige Drohnen auf außergewöhnlich große Distanzen eingesetzt werden können. Am meisten beeindruckte Watson, wie schnell die Spezialisten Aufklärung und Wirkung verknüpften. In die Weiterentwicklung der amerikanischen Panzerbrigaden sollen diese Erfahrungen nun direkt einfließen.
Vorgeschlagen wird von den Autoren des Military Review-Beitrags unter anderem, Drohnen künftig in multifunktionalen Angriffseinheiten zu bündeln. Ausgestattet sein sollen diese mit Mitteln zur weitreichenden Aufklärung auf mindestens 40 Kilometer, mit mittleren und schweren Bomberdrohnen und mit Angriffsdrohnen, die über Relais unterstützt werden. Die Bataillone sollen darüber hinaus jeweils eigene, kleinere Drohnenangriffszüge bekommen.
Großes Gewicht legen die Offiziere zudem auf die digitale Vernetzung. Alle Drohnen einer Brigade sollen künftig in einem gemeinsamen Lagebild zusammenlaufen. Ausdrücklich verweisen sie dabei auf das ukrainische Gefechtsführungssystem Delta als Vorbild.
Erheblichen Nachholbedarf sehen sie ebenso in der Drohnenabwehr. Verlangt werden Systeme, die nicht nur im Stand, sondern auch in der Fahrt wirken – angefangen bei aktiven Abwehrmitteln auf einzelnen Fahrzeugen bis hin zu Lösungen mit Radar und Effektoren auf Brigadeebene.
Gotland, Estland, Portugal: dasselbe Bild bei anderen NATO-Übungen
Hohenfels steht dabei nicht für sich allein. Schon bei mehreren anderen NATO-Übungen haben ukrainische Drohnenspezialisten westlichen Streitkräften gezeigt, wie verwundbar sie sind.
So machten ukrainische Drohnenpiloten bei einer großen Übung auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland den schwedischen Einheiten so stark zu schaffen, dass das Training mehrmals unterbrochen werden musste. Teils übernahmen die Ukrainer dort die Rolle des Angreifers und ließen ihre Erfahrung aus dem realen Krieg direkt einfließen.
Noch deutlicher war das Ergebnis der Übung „Hedgehog 2025” in Estland. Rund 16.000 NATO-Soldaten aus zwölf Staaten traten dort gegen ukrainische Drohnenteams an. Einem zehnköpfigen ukrainischen Team sollen in einem Szenario binnen eines halben Tages 17 simulierte Zerstörungen gepanzerter Fahrzeuge und 30 weitere Angriffe gelungen sein. Zwei NATO-Bataillone wurden demnach an einem einzigen Übungstag außer Gefecht gesetzt.
Auf See ergab sich ein ähnliches Bild. Vor Portugal gewann bei „REPMUS/Dynamic Messenger 2025” ein multinationales Team unter ukrainischer Führung, an dem auch Amerikaner, Briten und Spanier beteiligt waren, alle fünf Übungsszenarien. Simuliert wurden unter anderem Angriffe auf Häfen und Geleitzüge und deren Verteidigung. Als getroffen zählte ein Schiff schon, sobald eine Drohne es als Erste ins Visier genommen und das dokumentiert hatte. In einem der Szenarien markierte das ukrainisch geführte Team sogar eine NATO-Fregatte mehrfach als getroffen.
Alle diese Übungen führen zur selben Erkenntnis: Auch technologisch hochgerüstete westliche Streitkräfte sind durch moderne Drohneneinsätze verwundbar. Hohenfels zeigt aber auch, dass angepasste Taktiken, konsequente Gefechtsdisziplin und der abgestimmte Einsatz eigener Drohnen diese Verwundbarkeit spürbar verringern. Ausschlaggebend ist, wie schnell die Streitkräfte daraus lernen und ihre Gefechtsführung auf die neue Realität einstellen.
Fotocredits
© US ArmyWeiterlesen

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