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Unmanned Systems / Aerial Drones

Loitering-Drohne aus Deutschland: Xynetic setzt auf Tempo und Modularität

Am Rande des Symposiums „DroneVation & Defence 2026” sprach Andreas Stiebner, Co-Founder und CEO der Xynetic GmbH, im Interview über die Gründung des Startups, die Entwicklung des XLM 100 Minotaurus und die Frage, wie sich eine mehrrollenfähige UAV-Plattform in bestehende Aufklärungs- und Wirkverbünde integrieren lässt. Dabei geht es um taktische Fähigkeitslücken, den modularen Ansatz des Systems, die Bedeutung gesicherter europäischer Lieferketten und die Lehren aus dem aktuellen Drohnenkrieg.

Andreas Stiebner, Co-Founder and CEO of Xynetic GmbH.
© Xynetic
Andreas Stiebner, Co-Founder und CEO der Xynetic GmbH.
Andreas Stiebner, Co-Founder und CEO der Xynetic GmbH. · © Xynetic

Herr Stiebner, was war der Auslöser, Xynetic zu gründen? Gab es konkrete Herausforderungen am modernen Gefechtsfeld, das Sie von Anfang an im Blick hatten?
Für mich persönlich als Mitgründer und Geschäftsführer war es ein zentrales Anliegen, operationelle Fähigkeiten und taktische Fähigkeitslücken zu bezahlbaren Preisen sicherzustellen. Ich komme selbst aus der Bundeswehr, war 13 Jahre Infanterieoffizier und habe nach meinem Ausscheiden 2021 und auch in weiteren Verwendungen gesehen, dass uns Fähigkeiten fehlen, die wir eigentlich bräuchten, um auf dem modernen Gefechtsfeld zu bestehen.

Wenn ein 12-Millionen-Euro-Fahrzeug mit einem 500-Euro-Asset ausgeschaltet werden kann, dann stimmt das Verhältnis nicht mehr. Dieser rein operationelle Blick, kombiniert mit meiner Nähe zu Ausbildung, Doktrin und Taktik, war ein wesentlicher Ausgangspunkt. Hinzu kamen Gespräche mit im Kampf befindlichen Verbänden, die klar gesagt haben: Sie brauchen nicht 20 verschiedene Systeme mit jeweils eigenem Ökosystem, sondern eine Handvoll Lösungen, die den Großteil der taktischen Mindestanforderungen abdecken.

Mit dem XLM 100 Minotaurus entwickelten Sie eine loiteringfähige, tragbare UAV-Plattform. Welche Fähigkeiten bringt dieses System, die ein klassischer Multicopter oder eine einfache Kamikazedrohne so nicht liefern kann?
Ein wesentlicher Punkt ist der Impellerantrieb beziehungsweise die Vektorschubsteuerung. Dadurch erreichen wir eine hohe Manövrierfähigkeit, haben wenige bewegliche Teile, alles ist im Heck des Systems verbaut, und wir erzielen eine hohe Geschwindigkeit. Die Cruise Speed liegt bei rund 200 Kilometern in der Stunde – das ist in dieser Klasse sehr schnell. Dazu kommt ein geringer Geräuschpegel, weil wir keine außenliegenden Propeller haben, und auch der Doppler-Effekt fällt geringer aus. Das reduziert gemeinsam mit der CFK-Bauweise die Signatur. Ein weiterer Vorteil ist die Doppelfunktion: Das System kann sowohl Intercept-Fähigkeiten zur Drohnenabwehr als auch Strike-Fähigkeiten darstellen. Das Grundsystem bleibt dabei gleich, der Kopf ist austauschbar – etwa für unterschiedliche Sensorik wie LiDAR oder Radar oder eben für einen Gefechtskopf. Genau diese Modularität unterscheidet es von vielen klassischen Systemen.

Wie sieht die Einbettung der Plattform in bestehende Systeme aus? Und mit welchem Ausbildungsaufwand ist zu rechnen?
Unser Ansatz ist bewusst, kein eigenes geschlossenes Ökosystem aufzuzwingen. Im Idealfall würden wir am liebsten nur die Plattform liefern, während der Anwender mit seinem bisherigen User Interface und seinem bestehenden Battle Management System weiterarbeitet. Wir können beispielsweise Plugins für vorhandene Informations- und Führungssysteme schreiben, etwa für Systematic Sitaware oder ATAK, und unterstützen rund 150 Kartenformate. Wenn eine Koordinate oder ein Geofence eingegeben wird, kann das System selbstständig starten, routen und fliegen. Start und Flug sind also bereits heute weitgehend automatisiert. Der Ausbildungsaufwand sinkt dadurch deutlich. Aus meiner Sicht sollte der einfache Soldat im besten Fall gar nicht merken, dass er ein neues System nutzt, sondern mit derselben UI arbeiten, die er ohnehin schon auf Fahrzeug oder Terminal verwendet.

Multic-Launcher für den XLM 100 Minotaurus und der Multilauncher von Xynetic.

Der XLM 100 Minotaurus von Xynetic.
© Xynetic
Der XLM 100 Minotaurus von Xynetic.
© Xynetic
Multic-Launcher für den XLM 100 Minotaurus von Xynetic.
© Xynetic

Der Drohnenkrieg in der Ukraine zeigt, wie gesättigt, gefährlich und kurzlebig der Luftraum über der Front geworden ist: Ständige Aufklärung, elektronische Störungen, massive Abwehrsysteme. Welche operative Lücke adressiert der XLM 100 in diesem Umfeld?
Ich sehe das System als Allrounder. Es adressiert die Lücke zwischen klassischen Strike-Drohnen und Intercept-Lösungen, weil es beides in einem System zusammenführt. Geschwindigkeit ist dabei ein zentraler Faktor. Gleichzeitig gibt uns die Plattform viel Spielraum bei Sensorik und Payloads. Wir können unterschiedliche Köpfe einsetzen, also Intercept, Sensorik oder Wirkmittel. Perspektivisch ist auch ein Umbau mit einem anderen Antrieb denkbar – etwa mit Jet-Antrieb oder Verbrennermotor –, um die Geschwindigkeit nochmals deutlich zu erhöhen. Ein großer Vorteil ist außerdem die gesicherte Wertschöpfung: Bis auf Batterien kommt sie zu 95 Prozent aus Deutschland und Europa. Gleichzeitig denken wir das System auf bewegliche Gefechtsführung hin. Während viele Systeme heute Aufbauzeit brauchen, arbeiten wir an einem Tube-Launcher und einem Multilauncher, damit das System aus Fahrzeugen oder Stellungen heraus sehr schnell eingesetzt werden kann. Grenzen gibt es natürlich auch – etwa beim Datenlink, der physikalisch ein Nadelöhr bleibt. Genau deshalb denken wir das System perspektivisch auch ohne dauerhaften Man-in-the-Loop weiter.

Thema Zukunft. Wo sehen Sie Ihre Lösungen in Bezug auf künftige Herausforderungen?
Für uns sind drei Dinge zentral. Erstens die Lieferkette: Die ist weitgehend abgesichert, und wir setzen bewusst auf Produktion in Deutschland und Europa. Zweitens die industrielle Skalierung: Mit bestehenden Partnern könnten wir nach eigener Aussage bereits heute bis zu 10.000 Systeme pro Jahr fertigen. Und drittens die Weiterentwicklung: Der Single-Tube-Launcher soll Ende 2026 einen Stand erreichen, der in die Serienproduktion überführt werden kann. Der größere Container- beziehungsweise Multi-Launch-Ansatz ist für 2028 vorgesehen. Darüber hinaus sehen wir die Zukunft ganz klar in der nahtlosen Integration in bestehende Systeme – nicht darin, dem Nutzer noch ein weiteres proprietäres Ökosystem zu verkaufen. Unser Anspruch ist es, eine Plattform bereitzustellen, die mit Payloads, Software und Antriebsoptionen mitwachsen kann und damit die nächsten Jahre bereits mitdenkt.

Fotocredits

© Xynetic
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