Loitering Munition mit Impeller: Xynetic zeigt XLM 100 Minotaurus auf der DroneVation & Defence 2026
Loitering Munition aus Herford: Das Startup Xynetic setzt bei der XLM 100 Minotaurus auf einen Mantelpropeller, 200 km/h Marschfahrt und Computer-Vision-Navigation. Mit einem Partner sollen bis zu 10.000 Systeme pro Jahr möglich sein.

Höheres Tempo, größere Reichweite, mehr Skalierbarkeit – mit diesen Schlagworten lässt sich eine moderne Loitering Munition auf dem sich laufend verändernden Gefechtsfeld des 21. Jahrhunderts beschreiben. In Herford in Nordrhein-Westfalen entwickelt und fertigt das deutsche Startup Xynetic unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) mit Impellerantrieb. Die Kamikaze-Drohne XLM 100 Minotaurus war auf der DroneVation & Defence 2026 in Wien zu sehen; Auskunft gab Geschäftsführer Andreas Stiebner.
Was die XLM 100 Minotaurus auszeichnet, ist der Impellerantrieb. Statt außen angebrachter Propeller wie bei herkömmlichen Drohnen verwendet Xynetic einen sogenannten Mantelpropeller, auch Electric Ducted Fan (EDF) genannt. Der Antrieb sitzt dabei vollständig im Heck des Fluggeräts.
Andreas Stiebner nennt dafür mehrere Vorteile: Das Fluggerät ist leiser, die für klassische Propeller typische Doppler-Signatur wird verringert, und weil keine außenliegenden Rotoren den Start stören, kann es aus Startrohren oder Launcher-Systemen verschossen werden. Die Tragflächen sind dabei eingeklappt und öffnen sich erst nach dem Ausstoß.

Loitering Munition im Baukastenprinzip
Bewusst wurde das System modular konzipiert. Aktuell trägt die Plattform bis zu fünf Kilogramm Nutzlast. So sind verschiedene Einsatzprofile machbar: Abfangmissionen mit unterschiedlichen Sensoren, klassische Aufgaben einer Loitering Munition, Anwendungen der elektronischen Kampfführung (Electronic Warfare) oder der Transport spezieller Nutzlasten. Außerdem lässt sich das UAV per Fallschirm bergen.
Großes Gewicht legt Xynetic auch auf Geschwindigkeit. Viele vergleichbare Systeme sind mit rund 120 bis 130 Kilometern pro Stunde unterwegs, für die Minotaurus nennt das Unternehmen dagegen eine Marschgeschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde. Klappt das System im Zielanflug die Tragflächen ein, soll es im Sturzflug auf bis zu 500 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Laut Geschäftsführer Stiebner bleibt dem Gegner dadurch weniger Zeit zu reagieren, und andere Drohnen oder Flugabwehrsysteme tun sich schwerer, es abzufangen.

Moderne Technologien kommen auch bei der Navigation zum Einsatz. Seine Position ermittelt der Autopilot über ein sogenanntes Computer-Vision-Verfahren aus Kamerabildern. Selbst wenn das GPS-Signal gestört ist, kann das UAV so seinen Kurs halten. Auf lange Sicht will Xynetic erreichen, dass der Endanflug auf das Ziel ganz ohne Datenverbindung (Data Link) auskommt.
Künftig soll das Container-Modul XLC Typhon das System ergänzen. Der Mehrfachstarter nimmt zwölf bis sechzehn XLM-100-Systeme auf und kann über längere Zeit eigenständig im Einsatzraum bleiben. Damit sollen sich größere Gefechtsstreifen überwachen lassen, ohne dass eigene Kräfte ständig vor Ort sein müssen.
Bleiben noch Partnerschaften und Kooperationen. Dazu sagte Geschäftsführer Stiebner:
Derzeit kooperieren wir mit Hochschulen und anderen Unternehmen, die jeweils ihre Fähigkeiten einbringen, und insbesondere, was die Skalierbarkeit angeht, haben wir einen Partner, die Avanco Composites GmbH— Andreas Stiebner, Geschäftsführer Xynetic
Avanco Composites hat sich auf Entwicklung, Fertigung und Veredelung von Leichtbauprodukten aus faserverbundenen Kunststoffen spezialisiert. Zusammen mit diesem Partner traut sich Xynetic eine Produktion von bis zu 10.000 Minotaurus-Systemen jährlich zu. Angestrebt wird ein System, das technologisch leistungsfähig und zugleich wirtschaftlich tragfähig auf den Markt kommt.
Fotocredits
© Gábor OrbánWeiterlesen

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