Schiebel: „Alle diese Systeme dienen auch zivilen Aufgaben”
Auf der „DroneVation & Defence 2025” (DVD 2025) in Wien präsentiert die österreichische Firma Schiebel ihre neuesten Entwicklungen. Das 1951 gegründete Unternehmen zählt zu den führenden Herstellern unbemannter Luftfahrtsysteme und ist international vor allem durch den Camcopter S-100 bekannt.

Dieser wird weltweit in militärischen, zivilen und humanitären Missionen eingesetzt – von Küstenüberwachung über Such- und Rettungseinsätze bis hin zur militärischen Aufklärung. Neben Drohnentechnologie entwickelt Schiebel auch Minendetektionssysteme und Verbundwerkstoffe. Wir haben auf der Messe mit Michael Hofstätter und Nikolaus Weihs von Schiebel über aktuelle Projekte, Einsatzszenarien und technologische Herausforderungen gesprochen.

Herr Hofstätter, was präsentieren Sie hier auf der Messe?
Mit dem CBRN SaaS präsentieren wir ein Gesamtsystem zur ABC-Aufklärung, also für atomare, biologische und chemische Bedrohungslagen. Solche Szenarien gibt es auch im zivilen Bereich – etwa bei einer Explosion in einer Chemiefabrik oder einem Unfall in einem Atomkraftwerk. Unsere Fahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet, die chemische Substanzen und Radioaktivität erkennen können.
Dabei arbeiten UGV (Unmanned Ground Vehicle) und UAV (Unmanned Aerial Vehicle) im Verbund. Die Daten der Fahrzeuge werden in Echtzeit ausgetauscht und zu einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt, das Entscheidungsträgern zur Verfügung steht.
Je nach Auftrag lassen sich die Modelle mit unterschiedlichen Sensoren ausrüsten – oder mit Greifarmen für die Probenahme, die im ABC-Bereich besonders wichtig ist, um diverse Stoffe identifizieren zu können.
Herr Weihs, welche neuen Anforderungen aus aktuellen Konflikten prägen derzeit die Weiterentwicklung des Campcopters?
Aus aktuellen Szenarien ziehen wir natürlich entsprechende Lehren. So waren wir beispielsweise in Rumänien im Rahmen von EMSA-Missionen (European Maritime Safety Agency) im Einsatz – zur Küstenüberwachung. Dort wurden unsere Systeme mehrfach gejammt, also elektronisch gestört. Diese Bedrohung ist real und darf nicht unterschätzt werden.
In der Ukraine war der Campcopter S100 ebenfalls im Einsatz. Dort kam es häufig zu GPS-Jamming und Spoofing. Das sind Störungen und Manipulationen von Satellitensignalen. Wir haben darauf reagiert und Anti-Jamming-Geräte eingesetzt, um die Auswirkungen abzumildern.
Aktuell arbeiten wir daran, die Navigation zusätzlich über digitale Karten und bildgestützte Verfahren abzusichern. Das Projekt befindet sich jedoch noch in einer frühen Entwicklungsphase.
Der Campcopter könnte dann ohne Satellitennavigation fliegen?
Derzeit basiert die Navigation überwiegend auf Satellitensystemen (GNSS). Wir arbeiten jedoch intensiv an alternativen Verfahren – etwa terrestrischen Navigationssystemen –, um auch bei Ausfällen oder Störungen handlungsfähig zu bleiben.
Herr Hofstätter, die Drohnenindustrie wird häufig ausschließlich mit militärischen Einsätzen assoziiert. Welche zivilen Anwendungen spielen in Ihrer Arbeit eine Rolle?
Alle diese Systeme dienen nicht nur militärischen Zwecken, sondern auch zivilen Aufgaben. Der Campcopter wird etwa eingesetzt, um Schiffbrüchige zu lokalisieren oder den Schiffsverkehr zu überwachen. Mit einem speziellen Sensorsystem können wir Abgasströme analysieren und feststellen, ob Schiffe Schweröl verbrennen – was in der EU verboten ist. So lassen sich Verstöße nachweisen, und gleichzeitig können Menschen in Seenot gefunden werden. Deshalb wäre es falsch, den Campcopter ausschließlich auf militärische Anwendungen zu reduzieren.
Fotocredits
© Daniel Auer · © Militär AktuellWeiterlesen

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