Drohnenabwehr-Laser aus Deutschland: Österreichisches UGV Ziesel mit Inleap Photonics für die Ukraine
Hentschel System baut den Drohnenabwehr-Laser von Inleap Photonics auf sein UGV Ziesel, dessen Basis von Hawe Mattro aus Tirol stammt. Wie die Technik funktioniert, was sie kosten soll und welche Fragen der Einsatz in der Ukraine beantworten muss.

Aus Österreich stammt das weltweit erste unbemannte Landfahrzeug (UGV), das ein Anti-Drohnen-Laser-System trägt. Wie bereits bekannt, kommt der Drohnenabwehr-Laser von Inleap Photonics auf die UGV-Plattform Ziesel von Hentschel System.
Unter dem Ziesel steckt das elektrische Heavy-Duty-Hochleistungs-UGV ROVO3, das Hawe Mattro im Tiroler Schwaz herstellt.

Entwickelt wurde der ROVO für anspruchsvolle Einsätze in Industrie und Gelände. Als Grundlage lassen sich darauf kundenspezifische Autonomiefunktionen, Sensoren und Einsatzausrüstung integrieren. Neben Aufgaben in Industrie, Feuerwehr und Rettung kommt die robuste Roboterplattform damit auch für Missionen im Sicherheitsbereich und beim Militär infrage. Hawe Mattro konzentriert sich folglich darauf, eine fertige, vollelektrische Antriebsplattform zu entwickeln und zu verkaufen – mit Batteriewechselsystem, kontrolliertem Drehmoment und verlässlicher Traktion auf Schnee, Schotter, weichem Boden und unebenem Gelände.

Seit 2019 setzt Hentschel System auf diese verlässliche Plattform. Nach Aussage von Geschäftsführer Matthias Hentschel war das auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sie heute in der Variante ROVO3 als Standardprodukt angeboten wird und auch bei anderen Kunden wie Diehl Defence (-> Diehl Defence testet UGV Ziesel in Österreich) oder ARX Robotics im Einsatz ist.
Die Aufgaben sind klar verteilt: Von Mattro kommt ein Basis-UGV mit Schnittstelle für die externe Ansteuerung, Hentschel System übernimmt Automatisierung und Fahrzeugintegration. Dazu rüstet das Unternehmen das Fahrzeug mit dem Robotic Kit sowie mit Sensoren für die Umgebungswahrnehmung aus, etwa Kameras und Lidarsensoren. So lässt sich die Basisplattform fernbedient und autonom betreiben. Als fertiges UGV von Hentschel System heißt sie dann Ziesel.
Auch das Lasersystem von Inleap Photonics integriert Hentschel System. Seine Energie bezieht es vollständig aus den wechselbaren Hauptakkus der Roboterplattform.
So arbeitet der Drohnenabwehr-Laser
Weniger als 10 Kilowatt Laserleistung genügen dem System von Inleap Photonics. Herkömmliche Laserstrahl-Lenksysteme arbeiten mit Spiegeln, Inleap Photonics verwendet dagegen ein optisch-transmissives Medium. Über elektrische Signale ändert sich dessen Brechungsindex, und der Laserstrahl lässt sich so extrem schnell und präzise lenken.

Neu ist zudem, dass die Strahlen nicht parallel gebündelt verlaufen: Sie werden erst auf dem Ziel fokussiert und laufen dahinter wieder auseinander. Über den größten Teil der Strecke bleibt die Intensität deshalb auf ungefährlichem Niveau – augensicher, wie Marius Lammers von Inleap Photonics sagt. Rechnerisch reicht das System bis zu 3 Kilometer weit, getestet wurde bisher aber nur bis 1 Kilometer.
Weil ultraschnelle Strahllenkung mit Bilderkennung bzw. Künstlicher Intelligenz zusammenspielt, kann das System gezielt auf die Schwachstellen einer Drohne feuern und kommt auf Bekämpfungszeiten von unter zwei Zehntelsekunden. Preislich liegt es im niedrigen einstelligen Millionenbereich.
Bei Leistung, Abfangzeit und Preis bewegt sich Inleap Photonics damit in konkurrenzlos niedrigen Bereichen. Ob sich die Erwartungen erfüllen, wird nicht zuletzt der Einsatz in der Ukraine zeigen.
Eine der größten Hürden für laserbasierte Systeme sind atmosphärische Störungen. Um sie auszugleichen, verfolgt Inleap Photonics eine „Layered Defence”-Strategie und kooperiert mit Stark, das im Rahmen der Partnerschaft für schlechtes Wetter zusätzlich Abfangdrohnen bereitstellt.
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© Hawe Mattro · © INLEAP PhotonicsWeiterlesen

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